Welche Versicherungen du brauchst, warum jedes Testament haben sollte, Vorsorgevollmacht, Risikoleben & Co. Der Papa-Guide für Österreich.

Familiensicherheit für Väter: Versicherungen, Testament & Vorsorge – Der Absicherungs-Guide (Österreich 2026)

Letzte Woche hat ein Kumpel gefragt: „Was passiert eigentlich mit deiner Familie, wenn dir morgen was passiert?“ Ich: „Äh… meine Frau kriegt das Geld?“ Er: „Welches Geld?“ – Ich hatte keine Ahnung.

Und ich wette, die meisten Väter haben genauso wenig Ahnung.

Kein Testament, falsche Versicherungen, keine Vorsorgevollmacht. Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil dieses Thema verdammt unangenehm ist. Man beschäftigt sich nicht gern mit dem eigenen Tod oder der eigenen Arbeitsunfähigkeit. Vor allem nicht, wenn man gerade erst Vater geworden ist und eigentlich nur glücklich sein will.

Aber hier ist die unbequeme Wahrheit: Ohne Vorsorge ist deine Familie im Ernstfall auf sich allein gestellt.

Und ausgerechnet wir Väter sind oft die Hauptverdiener. Wir reden über Verantwortung übernehmen – aber die wirklich wichtige Verantwortung, die dokumentierte, die notariell beglaubigte, die schieben wir auf.

Dieser Guide ist der Versuch, das zu ändern. Speziell für Österreich. Denn die Regeln hier sind anders als in Deutschland oder der Schweiz. Und die Fallstricke können richtig wehtun.

Haftungsausschluss vorab: Ich bin kein Rechtsanwalt und kein Versicherungsberater. Dieser Guide gibt einen Überblick und ersetzt keine professionelle Beratung. Aber er ist verdammt nah dran am besten Ratgeber, den du im deutschsprachigen Internet zu diesem Thema findest. Versprochen.


Die 5 Versicherungen, die jede Familie braucht

Versicherungen sind langweilig. Bis sie’s nicht mehr sind. Und dann ist es zu spät.

Die gute Nachricht: Du musst nicht 15 verschiedene Policen abschließen. Fünf reichen, wenn du die richtigen wählst. Fangen wir mit der wichtigsten an.

1. Risikolebensversicherung – die, die deine Familie rettet

Was sie macht: Simpel. Du stirbst, deine Familie bekommt Geld. Eine vorher vereinbarte Summe, steuerfrei in Österreich.

Warum du sie brauchst: Dein Einkommen fällt von heute auf morgen weg. Deine Partnerin muss den Kredit bedienen, die Miete zahlen, das Kind durchs Studium bringen. Mit dem Geld aus der Risikoleben kann sie das. Ohne geht sie – statistisch gesehen – oft in die Privatinsolvenz oder muss das Haus verkaufen.

Das ist kein Drama-Szenario aus dem Fernsehen. Das ist die Realität, die eintritt, wenn der Hauptverdiener stirbt und keine Absicherung da ist.

Wieviel sollte die Summe sein? Faustregel: 3-5x dein Bruttojahresgehalt + offene Kreditschulden. Wenn du 50.000€ brutto im Jahr verdienst und einen Immobilienkredit von 200.000€ laufen hast, brauchst du mindestens 350.000-450.000€. Rechne großzügig – die Inflation arbeitet gegen deine Familie.

Was kostet das?

  • Nichtraucher, 35 Jahre, 300.000€: ~15-40€/Monat
  • Raucher, 35 Jahre, 300.000€: ~30-70€/Monat
  • Mit Vorerkrankungen (Übergewicht, Bluthochdruck): Risikozuschlag von 30-100%

Klingt wenig. Ist es auch. Eine Risikolebensversicherung ist die günstigste Form der Familiensicherheit, die du kaufen kannst. 15 Euro im Monat – das ist ein Döner weniger. Oder zwei Bier im Wiener Wirtshaus.

Risikoleben vs. Kapitallebensversicherung

Spoiler: Risikoleben gewinnt fast immer.

Die Kapitallebensversicherung ist ein Mischprodukt – Versicherung + Sparplan. Klingt gut, ist es aber meistens nicht. Die Rendite ist mau (1-3% im klassischen Tarif), die Kosten sind hoch (Abschlusskosten von 3-5% der Beitragssumme), und deine Familie bekommt im Todesfall meistens nur das angesparte Kapital – das kann weit weniger sein als eine reine Risikoleben.

Nimm die Risikolebensversicherung und leg das gesparte Geld selbst an. Sparplan auf den FTSE All-World oder einfach ins Tagesgeld. Dann haben deine Kinder im Ernstfall beides: die Versicherungssumme UND deine Ersparnisse.

Österreich-Spezial:

  • In Österreich ist die Auszahlung der Risikolebensversicherung steuerfrei (keine Kapitalertragsteuer)
  • Beliebte Anbieter: Helvetia, Zurich, Allianz, Generali – aber unbedingt vergleichen (durchblicker.at oder helden.at)
  • Vorsicht bei der Gesundheitsprüfung: Jede Vorerkrankung ehrlich angeben. Sonst zahlt die Versicherung im Ernstfall nicht.

💡 BOX – Die Risikoleben-Rechnung 300.000€ Versicherungssumme × 25€/Monat × 25 Jahre = 7.500€ Gesamtkosten Deine Familie bekommt im Ernstfall: 300.000€ steuerfrei Hebel: 40:1 Zeig mir eine andere Versicherung, die dir das bietet.


2. Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) – die unterschätzte

Statistisch wird jeder vierte Arbeitnehmer in Österreich vor dem Pensionsantritt berufsunfähig. Das ist keine Horrorzahl – das ist die amtliche Statistik der Sozialversicherung.

Und die häufigste Ursache? Nicht Krebs, nicht Herzinfarkt, nicht Bandscheibenvorfall. Sondern psychische Erkrankungen. Depression, Burnout, Angststörungen. Vor allem bei jungen Eltern. Die ersten Jahre mit Kind, Schlafmangel, Beziehungsstress, Überforderung – das sind die perfekten Bedingungen für eine psychische Erkrankung.

Warum die gesetzliche Pension nicht reicht:

Als junger Vater hast du vielleicht 5-10 Jahre in die Pensionsversicherung eingezahlt. Dein Pensionskonto zeigt einen lächerlich niedrigen Wert. Wenn du mit 35 berufsunfähig wirst, bekommst du eine Berufsunfähigkeitspension von vielleicht 800-1.200€ brutto. Davon kannst du keine Familie ernähren, keinen Kredit bedienen, keine Miete zahlen.

Die BU-Versicherung zahlt dir eine monatliche Rente – steuerfrei bis zu einer bestimmten Grenze – wenn du deinen Beruf nicht mehr ausüben kannst. Nicht „keinen Job mehr finden“, sondern deinen erlernten oder zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr ausüben können.

BU vs. Grundfähigkeitsversicherung:

Die Grundfähigkeitsversicherung ist der kleine Bruder der BU. Sie zahlt, wenn du bestimmte Grundfähigkeiten verlierst: Sehen, Hören, Gehen, Sprechen, Hände benutzen. Sie ist billiger (20-40€/Monat statt 50-80€), aber sie deckt nicht die typischen Fälle wie psychische Erkrankungen oder Rückenprobleme.

Für körperlich arbeitende Menschen (Handwerker, Pflegekräfte) kann die Grundfähigkeitsversicherung eine Alternative sein. Für Büromenschen ist die BU die richtige Wahl.

Österreich-Spezial:

  • Ab wann gilt die BU? In Österreich gilt die „abstrakte Verweisung“ nicht mehr. Das heißt: Die Versicherung kann dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen. Wenn du deinen Job als Programmierer nicht mehr machen kannst, bekommst du die Rente – auch wenn du theoretisch an der Supermarktkasse arbeiten könntest.
  • Gesundheitsfragen: Sei penibel ehrlich. Ein vergessener Arztbesuch vor 8 Jahren kann die Leistung gefährden.
  • Klauseln-Check: Achte auf „Nachprüfungsklauseln“ (wann darf die Versicherung deinen Zustand neu bewerten) und „Progression“ (steigt die Rente mit der Inflation?).

⚠️ WARNING – Die 3 häufigsten Fallen bei BU-Verträgen 1. „Umorganisation“: Wenn dein Arbeitgeber dich auf einen anderen Posten setzt, kann die BU die Zahlung verweigern. Achte auf eine Klausel, die das ausschließt. 2. „Nachbesserungsklausel“: Manche Versicherungen wollen nach 1-2 Jahren ein ärztliches Update. Wenn du das verpasst – Pech gehabt. 3. „Ablaufdatum“: Viele BU-Verträge enden mit 60 oder 65. Stell sicher, dass deine BU bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter läuft.


3. Privathaftpflicht (mit Kindern) – cheap & lebenswichtig

Ein Klassiker. Aber viele junge Familien haben sie nicht, weil sie denken: „Was soll schon passieren?“

Viel.

Was du wissen musst: Kinder haften in Österreich nicht für Schäden, die sie verursachen – das österreichische Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) macht das klar. ABER: Die Eltern haften für ihre Kinder, wenn sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Und das ist ein dehnbarer Begriff.

Praktische Beispiele:

  • Kind wirft Ball durch Nachbars Fenster: Kosten ~300-800€ für neue Verglasung
  • Kind kratzt mit dem Fahrrad das parkende Auto an: Lackschaden 500-2.000€
  • Kind verletzt ein anderes Kind auf dem Spielplatz (Zahn abgeschlagen): 1.000-5.000€
  • Kind lässt den Wasserhahn laufen, Nachbarwohnung läuft voll: 20.000€+

Checkliste für deine Privathaftpflicht:

  1. Deckungssumme mindestens 5 Millionen Euro – klingt absurd, ist aber Standard bei guten Tarifen. Ein schwerer Personenschaden (jemand bleibt querschnittsgelähmt) kann schnell 2-3 Millionen kosten.
  2. Einschluss von Kindern – viele Tarife decken Kinder automatisch mit ab, aber prüf genau, bis zu welchem Alter.
  3. Weltweiter Schutz – für den Urlaub. Ein Schaden am Pool in Italien ist genauso teuer wie in Österreich.
  4. Mietsachschäden – wenn du einen Schaden in der Wohnung verursachst (Wasser-, Brandschaden). Gerade wichtig für Mieter.
  5. Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit – das ist der wichtigste Punkt. Ohne diese Klausel kann die Versicherung die Zahlung verweigern, wenn du „grob fahrlässig“ gehandelt hast. Mit ihr: nicht.

Kosten: 30-60€ pro Jahr für die ganze Familie. That’s it. Weniger als ein Restaurantbesuch, aber mit enormem Hebel.


4. Unfallversicherung für Kinder – sinnvoll oder Geldverschwendung?

Die kurze Antwort: Kommt drauf an.

Was die gesetzliche Unfallversicherung in Österreich abdeckt:

  • Schulunfälle (inkl. Schulweg, Schulveranstaltungen, Schullandwochen)
  • Kindergarten-Unfälle
  • Arbeitsunfälle (ja, auch Lehrlinge)

Was NICHT abgedeckt ist:

  • Freizeitunfälle (der Klassiker)
  • Sportunfälle außerhalb der Schule
  • Urlaubsunfälle
  • Unfälle im Privatbereich

Die private Unfallversicherung für Kinder füllt diese Lücke. Sie zahlt:

  • Invaliditätsleistung (einmalige Zahlung bei bleibenden Schäden)
  • Krankenhaustagegeld (fixer Betrag pro Krankenhaustag)
  • Bergungskosten (wichtig bei Ski- oder Bergunfällen in Österreich)

Wann sie sinnvoll ist:

  • Dein Kind macht Risikosport (Skifahren, Mountainbiken, Reiten, Klettern)
  • Dein Kind ist viel draußen und aktiv
  • Ihr fahrt oft in den Urlaub, wo die österreichische Unfallversicherung nicht greift

Wann sie Geldverschwendung ist:

  • Dein Kind ist eher der Couch-Typ (Bücher, Lego, Bildschirm)
  • Du hast eine gute private Haftpflicht, die auch Unfallfolgen teilweise abdeckt

Alternative: Viele Familien-Haftpflichtversicherungen bieten einen Unfall-Baustein als Zusatzoption an. Das ist meist günstiger als eine separate Unfallversicherung. Prüf die Kombi-Angebote.

Preis: 5-15€/Monat für eine gute Kinder-Unfallversicherung. Oder als Zusatzbaustein in der Haftpflicht: 2-5€/Monat extra.


5. Krankenzusatzversicherung – Luxus oder Notwendigkeit?

Österreich hat ein gutes öffentliches Gesundheitssystem. ASVG und GSVG decken viel ab. Aber nicht alles.

Was sich für Familien wirklich lohnt:

Zahnzusatzversicherung für Kinder: JA. Unbedingt. Kinder brauchen oft Zahnspangen, und die Krankenkasse zahlt nur einen Bruchteil. Eine gute Zahnzusatzversicherung übernimmt 50-80% der Kosten für Kieferorthopädie. Kosten: ~10-20€/Monat für die Familie. Eine Zahnspange kostet schnell 3.000-7.000€ insgesamt. Rechne selbst.

Spitalszusatzversicherung (Sonderklasse): Kommt drauf an. Wenn du im Spital ein Einbett- oder Zweibettzimmer willst und die Wahl des Arztes (Wahlarzt statt Turnusarzt) – dann ja. Aber ehrlich: Für die meisten jungen Familien ist das ein Luxus, den man sich sparen kann, solange die Kids gesund sind.

Brillen/Kontaktlinsen: Die Krankenkasse zahlt einen minimalen Zuschuss (~30-50€ pro Jahr). Eine Zusatzversicherung kann 80-100€ pro Person übernehmen. Lohnt sich, wenn du oder deine Kinder Sehhilfen brauchen.

Wahlarzt-Versicherung: In Österreich ist das anders als in Deutschland. Du gehst entweder zur Kasse (wartest halt) oder zum Wahlarzt (zahlst selbst, aber bekommst einen Teil von der Kasse retour). Eine Zusatzversicherung kann die Differenz übernehmen und dir den Premium-Service sichern.

Was ihr NICHT braucht:

  • „Chefarzt-Klauseln“ (österreichisches System kennt keinen Chefarzt im deutschen Sinne)
  • Auslandsreise-Krankenversicherung wenn ihr keine Reisen macht (die ist eh nur 10€/Jahr)

Fazit: Krankenzusatz ist kein Muss, aber Zahn-Zusatz für Kinder ist ein kluger Move. Der Rest ist optional und hängt von eurem Budget ab.


Testament – Das Dokument, das deine Familie rettet

Jetzt wird’s ernst. Nicht finanziell, sondern existenziell.

Die meisten Väter haben kein Testament. „Das mach ich noch“ – der Klassiker. Aber wenn du kein Testament hast, entscheidet der Staat für dich. Und der Staat hat keine Ahnung, was du für deine Familie willst.

Warum ohne Testament Chaos herrscht

Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge in Österreich. Und die sieht so aus:

Verheiratet, ein Kind:

  • Ehepartner bekommt 1/3
  • Kind bekommt 2/3

Das Problem: Dein Kind ist 3 Jahre alt. Es kann kein Erbe verwalten. Also bestellt das Gericht einen Kollisionskurator (früher: Vormund), der das Erbe verwaltet, bis das Kind 18 ist. Das kostet Geld. Gebühren fallen an. Und deine Partnerin hat keinen freien Zugriff auf das Geld – sie muss jedes Mal zum Gericht, wenn sie Geld fürs Kind braucht.

Nicht verheiratet, Kind vorhanden:

  • Deine Partnerin bekommt GAR NICHTS. Null. Kein Cent.
  • Dein Kind bekommt alles.
  • Der Kollisionskurator verwaltet das Geld.
  • Deine Partnerin steht finanziell komplett da – muss vielleicht sogar das gemeinsame Haus verlassen, wenn es auf deinen Namen läuft.

Patchwork-Familie:

  • Stiefkinder erben NICHTS. Auch wenn du sie 10 Jahre wie deine eigenen großgezogen hast.
  • Nur leibliche/ adoptierte Kinder haben Anspruch auf den Pflichtteil.

Keine Kinder, nicht verheiratet:

  • Deine Eltern und Geschwister erben.
  • Deine langjährige Partnerin geht leer aus.

Klingt unfair? Ist es auch. Aber das ist das österreichische Erbrecht. Ohne Testament hast du genau diese Regeln.


Das Vater-Testament – was drinstehen muss

Wenn du schon bis hier gelesen hast, machst du jetzt ein Testament. Punkt.

Was reingehört:

1. Testamentsvollstreckung Bestimm eine Person, die sich um die Abwicklung kümmert. Deine Partnerin trauert und soll nicht auch noch mit Ämtern, Banken und Finanzamt kämpfen. Ein Testamentsvollstrecker – idealerweise ein Notar, Rechtsanwalt oder ein absolut vertrauenswürdiger Freund – regelt das.

2. Sorgerechtsverfügung Das ist der wichtigste Punkt für Väter. Wer bekommt die Kinder, wenn euch BEIDEN etwas passiert?

  • Ohne Verfügung: Das Gericht sucht einen Vormund.
  • Mit Verfügung: Du bestimmst, wer die Kinder großzieht.
  • Wichtig: Vorher fragen! Ja, persönlich. Nicht per WhatsApp. Nicht „ich nehm an, dass der Onkel das macht“. Frag die Person. Klär, ob sie bereit und in der Lage ist.

3. Vermächtnisse Wer bekommt was? Haus, Auto, Erinnerungsstücke. Wenn du das nicht regelst, streiten sich die Erben vor Gericht. Glaub mir, das passiert in den meisten Familien – und es zerstört Beziehungen für immer.

4. Schlusserbe / Vor- und Nacherbschaft Dein Kind ist minderjährig. Es erbt dein Vermögen – aber es kann damit nichts anfangen. Du kannst bestimmen, dass das Vermögen treuhänderisch verwaltet wird (Vorerbe: deine Partnerin) und die Kinder erst mit 25, 30 oder nach dem Studium frei darüber verfügen (Nacherbe).

So stellst du sicher, dass das Geld nicht mit 18 für einen Sportwagen draufgeht, sondern fürs Studium oder die erste Wohnung da ist.


Testament selber machen oder zum Anwalt?

Eigenhändiges Testament: Geht in Österreich. Muss von Hand geschrieben sein (nicht getippt!), mit Ort, Datum und Unterschrift. Du kannst es jederzeit ändern oder widerrufen. Kosten: 0€.

Das Problem: Viele Fehlerquellen. Wenn das Testament formell nicht gültig ist, gilt die gesetzliche Erbfolge. Ein Schreibfehler, eine undeutliche Formulierung, eine fehlende Unterschrift – schon ist alles hinfällig.

Notarielles Testament: Machst du beim Notar. Kostet ~200-500€ in Österreich (abhängig vom Vermögen). Ist sofort rechtssicher, der Notar berät dich, und das Testament wird im zentralen Testamentsregister (ÖTR) hinterlegt. Deine Familie findet es garantiert.

Berliner Testament: Das klassische Ehegattentestament: „Wir setzen uns gegenseitig als Alleinerben ein, die Kinder bekommen erst nach dem Tod des Letztversterbenden.“ Klingt logisch, ist aber in Österreich eine Falle.

Österreich-Fallstricke beim Berliner Testament:

  • Die Kinder haben einen Pflichtteilsanspruch in Österreich. Das Berliner Testament kann ihre Pflichtteilsansprüche nicht einfach ignorieren.
  • Wenn das erste Elternteil stirbt, können die Kinder den Pflichtteil verlangen – und zerstören damit das Berliner Testament.
  • Lösung: Pflichtteilsverzichtsvertrag (notariell) oder flexible Testamentsgestaltung.

Wann du zwingend zum Notar musst (Notariatsaktszwang in Österreich):

  • Pflichtteilsverzicht
  • Erbvertrag (gemeinsames Testament, das nicht ohne Zustimmung des anderen geändert werden kann)
  • Grundstücksgeschäfte (Schenkung auf den Todesfall)

Meine Empfehlung: Geh zum Notar. Einmalig 200-400€ für den Seelenfrieden. Deine Familie wird dir danken – sie erspart sich jahrelangen Ärger und Kosten.


Sorgerechtsverfügung – das am meisten vergessene Dokument

Ein Punkt, den fast alle Väter übersehen: Wer kümmert sich um meine Kinder, wenn meine Partnerin und ich gleichzeitig sterben?

Klingt unwahrscheinlich? Ein Autounfall auf der Heimfahrt. Ein Unfall im Urlaub. Ja, es ist selten. Aber die Konsequenz ist, dass deine Kinder zu Fremden kommen – oder zu Menschen, die du niemals als Vormund gewählt hättest.

So machst du es richtig:

  1. Bestimm zwei Optionen: Eine Hauptperson (die soll die Kinder bekommen) und eine Ersatzperson (falls die Hauptperson nicht kann oder stirbt)
  2. Sprich mit beiden: Ernsthaft, persönlich. Frag, ob sie es machen würden. Erklär, was es bedeutet (vielleicht eigene Kinder, berufliche Konsequenzen). Hör dir ihre Bedenken an.
  3. Halte es im Testament fest: Schreib es genau auf. Namen, Adressen, Begründung.
  4. Sorgerechtsverfügung extra: Manche Notare empfehlen, die Sorgerechtsverfügung als separates Dokument zu führen, weil sie bei Scheidungen neu geregelt werden muss, ohne das ganze Testament zu ändern.

Wen NICHT wählen:

  • Die Großeltern (zu alt, zu wenig Energie für Kleinkinder)
  • Geschwister, die selbst in finanziellen Schwierigkeiten stecken
  • Menschen, die in einer völlig anderen Stadt oder in einem anderen Land leben
  • Niemanden, der nicht zugestimmt hat (ja, das muss ich extra sagen)

Vorsorgevollmacht & Co. – Für den Fall der Fälle

Du bist nicht unsterblich. Und es geht nicht nur um den Tod. Was passiert, wenn du einen schweren Unfall hast? Einen Schlaganfall? Ins Koma fällst? Psychisch so erkrankst, dass du keine Entscheidungen mehr treffen kannst?

Dann braucht deine Familie eine Vorsorgevollmacht. Sonst entscheidet das Gericht.

Vorsorgevollmacht – wer entscheidet, wenn du nicht kannst?

Ohne Vorsorgevollmacht: Deine Partnerin geht zum Gericht und beantragt eine Erwachsenenvertretung (früher: Sachwalterschaft). Das Gericht prüft, ob du wirklich nicht mehr entscheidungsfähig bist. Das dauert. In der Zwischenzeit kann deine Partnerin keine Bankgeschäfte tätigen, keine Verträge kündigen, keine medizinischen Entscheidungen treffen. Und wenn das Gericht eine fremde Person als Erwachsenenvertreter bestellt – hat deine Partnerin gar nichts zu sagen.

Mit Vorsorgevollmacht: Du bestimmst, wer für dich entscheiden darf. In der Regel deine Partnerin. Sie kann:

  • Deine Bankgeschäfte regeln
  • Miet- und Arbeitsverträge kündigen
  • Medizinische Entscheidungen treffen
  • Deinen Aufenthalt bestimmen (Pflegeheim, Reha etc.)

Was du regeln musst:

  • Vermögensverwaltung: Wer darf über dein Konto verfügen?
  • Gesundheitsentscheidungen: Wer entscheidet über Operationen, Behandlungen?
  • Aufenthalt: Wer entscheidet, wo du lebst?
  • Gerichtliche Vertretung: Wer vertritt dich vor Gericht?

Notariatsakt erforderlich? Nur bei Grundstücksgeschäften. Für Bankvollmachten reicht eine schriftliche Vollmacht. Aber lass sie trotzdem notariell beglaubigen – Banken akzeptieren das eher.

Kosten: Notarielle Vorsorgevollmacht: ~150-300€ in Österreich.


Patientenverfügung – für deine Werte

Die Patientenverfügung regelt, was medizinisch mit dir passieren soll, wenn du nicht mehr entscheiden kannst. Das ist sehr persönlich, aber für junge Väter besonders relevant.

Warum? Weil die Standard-Einstellung im Krankenhaus ist: Alles tun, um dich am Leben zu halten. Wenn du das nicht willst (zum Beispiel bei schwerstem Hirnschaden ohne Aussicht auf Besserung), musst du das vorher festlegen.

Arten der Patientenverfügung in Österreich:

1. Verbindliche Patientenverfügung

  • Notariell + ärztlich bestätigt
  • Muss alle 5 Jahre erneuert werden
  • Ärzte MÜSSEN sich daran halten
  • Kosten: ~200-400€ (Notar + Arzt)

2. Beachtliche Patientenverfügung (schriftlich)

  • Einfach schriftlich, kein Notar nötig
  • Ärzte SOLLTEN sich daran halten, aber müssen nicht zwingend
  • Besser als nichts, aber nicht zwingend durchsetzbar

Wichtig für Österreich: Anders als in Deutschland ist ein „Living Will“ (Patientenverfügung aus dem Internet) nicht automatisch gültig. Sie muss den formalen Anforderungen des österreichischen Patientenverfügungsgesetzes entsprechen. Wenn du sie ernst meinst, geh den verbindlichen Weg.


Die Dokumenten-Mappe – alles an einem Ort

Du hast jetzt: Testament, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Versicherungspolicen. Was nützt der schönste Stapel Papier, wenn keiner weiß, wo er liegt?

Mach eine Familien-Vorsorge-Mappe: Ein Ordner (physisch oder digital), der alles enthält:

Was reingehört:

  • Testament (Kopie, Original beim Notar)
  • Vorsorgevollmacht
  • Patientenverfügung
  • Versicherungspolicen (alle: Leben, BU, Haftpflicht, Hausrat, Unfall)
  • Bankvollmacht
  • Depot-/Sparplan-Übersicht
  • Schulden-/Kreditübersicht (Kredite, offene Rechnungen)
  • Liste aller wichtigen Passwörter (digital)
  • Kontaktdaten von Notar, Steuerberater, Versicherungsmakler

Wo aufbewahren:

  • Originale: Beim Notar oder im Bankschließfach
  • Kopien: Zuhause im versperrbaren Ordner (Brandschutz-Box)
  • Digital: Verschlüsselt (Bitwarden, Cryptomator, Tresorit) – NIE unverschlüsselt in der Cloud!

WER muss wissen, wo alles liegt:

  • Deine Partnerin (offensichtlich)
  • Mindestens eine Vertrauensperson (Eltern, Geschwister, bester Freund) – für den Fall, dass euch beiden etwas passiert
  • Der Notar, der dein Testament verwahrt (der weiß Bescheid und informiert die Erben)

💡 DOWNLOAD-LEADMAGNET-IDEE „Die Familien-Vorsorge-Mappe – PDF-Checkliste“ Eine Seite, alle Dokumente, zum Abhaken. Könnte ich hier verlinken – wird nachgereicht oder du baust sie selbst.


Budget-Check: Was kostet die Absicherung?

Jetzt kommt die Frage, die alle interessiert: Was kostet mich das ganze?

Der 360°-Absicherungs-Check für 2026:

PlanMonatlichEnthält
Minimum~50€Risikoleben 200.000€ + Privathaftpflicht + einfaches Testament
Standard~100€Risikoleben 300.000€ + BU + Haftpflicht + Testament (notariell) + Vorsorgevollmacht
Premium~200€Alles aus Standard + Unfall-Kind + Zahnzusatz-Kind + Patientenverfügung

Wo sparen, wo investieren?

NICHT sparen:

  • Risikolebensversicherung (wenn du Kinder + Kredit hast – Pflicht!)
  • Privathaftpflicht (30-60€/JAHR – das ist wirklich fast geschenkt)
  • Testament (einmalig 200-400€ – für den Seelenfrieden deiner Familie)

Sparpotential:

  • Unfallversicherung Kind: Nur abschließen, wenn dein Kind Risikosport macht
  • Krankenzusatz: Nur Zahn für Kinder, der Rest optional
  • Kapitallebensversicherung: NIEMALS abschließen – Produkt des Grauens

Vergleichen:

  • durchblicker.at – der Standard-Versicherungsvergleich in Österreich
  • helden.at – jung, modern, gute Tarife für junge Familien
  • durchblicker.at/kredit – für den Kreditvergleich, falls du finanzieren willst

Jährlich prüfen:

Deine Situation ändert sich. Ein neues Kind, eine Gehaltserhöhung, ein Hauskauf, eine Scheidung. Dann musst du deine Absicherung anpassen. Mach einen Kalendereintrag: „Versicherungen & Testament reviewen“ – jedes Jahr am 1. Januar.


Sonderfall: Was passiert bei Trennung/Scheidung?

Trennungen sind scheiße. Und sie machen die Absicherung noch komplizierter.

Versicherungen & Scheidung

Risikolebensversicherung: Das Bezugsrecht ist das entscheidende Dokument. Bei der Scheidung solltest du es ändern – sonst geht die Versicherungssumme an deine Ex-Partnerin, nicht an deine neue Partnerin oder die Kinder (direkt).

BU: Läuft normal weiter. Aber: Wenn du in eine psychische Krise gerätst (häufiges Scheidungsfolge-Symptom), wird die BU-Prüfung kritisch. Melde dich rechtzeitig krank.

Hausrat: Wird in der Regel geteilt. Die Hausratversicherung muss auf den neuen Namen laufen.

Unterhaltsversicherung in Österreich: Eine Sonderform. Wenn du Unterhalt zahlst (für Ex-Partnerin oder Kinder), kannst du eine Versicherung abschließen, die die Zahlungen übernimmt, falls du stirbst oder berufsunfähig wirst. Selten, aber sinnvoll in bestimmten Konstellationen.

Testament nach der Scheidung

Wichtig: In Österreich wird ein Testament durch Scheidung nicht automatisch ungültig! Anders als in Deutschland bleibt es bestehen. Das heißt: Wenn du in deinem Testament von 2019 deine damalige Frau als Alleinerbin eingesetzt hast, gilt das auch nach der Scheidung 2023. Du musst das Testament aktiv ändern oder widerrufen.

Was tun:

  1. Alt Testament widerrufen (einfach: neues schreiben, das alte ungültig machen)
  2. Neues Testament aufsetzen – mit klarer Regelung für:
  • Ex-Partnerin: Enterben oder nicht?
  • Kinder: Absichern (Treuhandlösung)
  • Neue Partnerin: Absichern (besonders wenn nicht verheiratet)
  1. Sorgerechtsverfügung aktualisieren (wer kümmert sich um die Kinder?)

FAQ – Die häufigsten Fragen

Brauche ich als Vater wirklich eine Risikolebensversicherung?

Wenn du Kinder hast und/oder einen Kredit bedienst: Ja. Ohne Diskussion. Dein Tod wäre nicht nur emotional eine Katastrophe für deine Familie, sondern auch finanziell. Die Risikoleben macht das finanzielle Problem zumindest kleiner.

Was kostet ein Testament beim Notar in Österreich?

200-500€, abhängig vom Vermögenswert. Dazu kommt die Hinterlegung im Testamentsregister (~20€ einmalig). Für das, was du und deine Familie dafür bekommst, ist das ein Schnäppchen.

Wer bekommt mein Erbe, wenn ich nicht verheiratet bin?

Ohne Testament: Deine Kinder (falls vorhanden) und deine Eltern/Geschwister. Deine Partnerin bekommt GAR NICHTS. Mit Testament: Du kannst deiner Partnerin alles vererben – aber die Kinder haben Pflichtteilsanspruch.

Ist die gesetzliche Pension genug für meine Kinder?

Nein. Die Witwen-/Waisenpension deckt nur einen Bruchteil dessen, was du verdienst. Rechne mit ~400-800€ Waisenpension pro Kind. Dazu kommt, dass deine Partnerin durch die Betreuung der Kinder vielleicht nicht Vollzeit arbeiten kann. Die Finanzierungslücke ist real.

Braucht mein Kind eine eigene Haftpflicht?

Nein, wenn du eine Familien-Haftpflicht hast, die Kinder einschließt. Prüf den Tarif. Wenn nicht: Ja, für ~20-30€/Jahr.

Was passiert, wenn ich ohne Testament sterbe?

Die gesetzliche Erbfolge tritt ein. Deine Kinder erben, das Gericht bestellt einen Kollisionskurator, der das Erbe verwaltet. Deine Partnerin hat nur sehr eingeschränkten Zugriff. Chaos, Kosten, jahrelanger Aufwand. Mach ein Testament.


Zusammenfassung & Aktionsplan

Du hast bis hier gelesen. Jetzt kommt der wichtigste Teil: Nicht nur denken, sondern machen.

Heute:

  • Risikoleben-Vergleich auf durchblicker.at starten (dauert 15 Minuten)
  • Deine Partnerin ansprechen: „Lass uns über Absicherung reden“
  • Dokumenten-Check: Was hast du schon? Was fehlt?

Diese Woche:

  • Notar-Termin für Testament + Vorsorgevollmacht machen
  • Privathaftpflicht prüfen (Deckungssumme, Kind-Einschluss)
  • BU-Angebot einholen

Diesen Monat:

  • Notar-Termin wahrnehmen (Testament, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung)
  • Risikolebensversicherung abschließen
  • Familien-Vorsorge-Mappe erstellen
  • Alle wichtigen Dokumente an einem Ort sammeln

Dieses Jahr:

  • Depot-/Sparplan für Kinder aufsetzen
  • Jährliches Review einplanen
  • Freund/Kumpel auch dazu bringen, sich abzusichern (ernsthaft – red drüber)

Alle 2 Jahre:

  • Alles reviewen: Hat sich was geändert? (Scheidung, neues Kind, Hausbau, Gehalt gestiegen)
  • Versicherungssummen anpassen (Inflation!)
  • Testament prüfen (noch aktuell?)

📌 Pin diesen Guide für später. Oder schick ihn deinem Kumpel. Er wird’s brauchen.


Dieser Guide wurde mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt, ersetzt aber keine professionelle Rechts- und Versicherungsberatung. Für konkrete Entscheidungen hol dir bitte einen Notar, Rechtsanwalt oder Versicherungsmakler deines Vertrauens ins Boot. Deine Familie wird es dir danken.

Geschrieben für ServusPapa.at – weil Väter auch Verantwortung für das Undenkbare übernehmen.

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