Was ist der Papamonat?

Der Papamonat ist eine österreichische Besonderheit für frischgebackene Väter. Offiziell heißt er „Freistellung für den zweiten Elternteil im Anschluss an die Geburt“. Gemeint ist eine bezahlte Auszeit direkt nach der Geburt des Kindes. Der Papamonat gibt Vätern die Möglichkeit, in der ersten Zeit voll für ihre Partnerin und das Neugeborene da zu sein.

Anders als die klassische Väterkarenz ist der Papamonat kürzer, aber finanziell besser abgesichert. Er umfasst genau einen Monat (30 oder 31 Tage). In dieser Zeit beziehst du den Familienzeitbonus – eine staatliche Leistung, die dein Einkommen teilweise ersetzt. Der Papamonat in Österreich ist seit 2019 gesetzlich verankert und wurde seither stetig verbessert.

Das Besondere: Du musst dafür keinen Urlaub nehmen oder unbezahlt zu Hause bleiben. Der Papamonat ist ein eigener Anspruch auf Freistellung von der Arbeit. Dein Job ist während dieser Zeit geschützt, du kannst nicht gekündigt werden. Dein Arbeitgeber bekommt die Kosten über den Familienzeitbonus vom Staat zurück.

Der Papamonat ist nicht zu verwechseln mit der Väterkarenz. Während der Papamonat nur einen Monat dauert, kann die Väterkarenz bis zu zwei Jahre gehen. Was genau der Unterschied ist und welche Variante für dich passt, klären wir weiter unten.

Papamonat beantragen in 4 Schritten - Infografik

In 4 Schritten zum Papamonat: Von der Geburtsmeldung bis zum Familienzeitbonus.

Wer hat Anspruch auf den Papamonat?

Den Papamonat können alle unselbstständig erwerbstätigen Väter in Österreich beanspruchen. Das gilt für Angestellte, Arbeiter und Lehrlinge gleichermaßen. Auch Teilzeitkräfte haben denselben Anspruch wie Vollzeitbeschäftigte. Voraussetzung ist ein aufrechtes Dienstverhältnis zum Zeitpunkt der Geburt.

Selbstständige und freie Dienstnehmer haben ebenfalls Anspruch auf den Papamonat. Die Abwicklung läuft in diesem Fall über das Sozialversicherungssystem und nicht über den Arbeitgeber. Wichtig ist, dass du vor der Geburt durchgehend sozialversichert warst. Konkret musst du in den letzten 182 Tagen vor der Geburt durchgehend krankenversichert gewesen sein.

Väter in Ausbildung haben laut Arbeiterkammer (AK) ebenfalls ein Recht auf den Papamonat, wenn sie eine eigene Krankenversicherung haben. Auch Studierende mit Mitversicherung über die Eltern können den Familienzeitbonus beantragen – allerdings müssen sie die restlichen Voraussetzungen erfüllen.

Arbeitslose Väter haben keinen Anspruch auf den Papamonat als Freistellung. Sie können jedoch nach der Geburt Kinderbetreuungsgeld als Ersatz beantragen. Der Papamonat richtet sich explizit an erwerbstätige Väter, die ihrer Arbeit nachgehen und sich für einen Monat freistellen lassen.

Die zeitliche Frist ist streng: Du musst den Papamonat innerhalb von 91 Tagen (also drei Monaten) nach der Geburt antreten, wenn du noch im aufrechten Dienstverhältnis bist. Anders als bei der Väterkarenz kannst du den Papamonat nicht aufschieben. Die Frist gilt ab dem Tag der Geburt.

Papamonat vs. Väterkarenz – der Unterschied

Viele Väter sind unsicher: Soll ich den Papamonat nehmen oder gleich in Väterkarenz gehen? Die Antwort hängt von deiner persönlichen Situation ab. Beide Modelle haben unterschiedliche Vor- und Nachteile, die du kennen solltest, bevor du eine Entscheidung triffst.

Der Papamonat ist auf einen Monat begrenzt. Du beziehst in dieser Zeit den Familienzeitbonus in Höhe von 22,86 Euro pro Tag (Stand 2026). Das sind rund 708 Euro für den gesamten Monat. Dafür ist der Papamonat bürokratisch einfacher: Du meldest ihn bei deinem Arbeitgeber an und reichst den Antrag bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) ein.

Die Väterkarenz hingegen ist zeitlich flexibler. Du kannst zwischen einem Monat und zwei Jahren wählen. Während der Väterkarenz beziehst du kein Gehalt, sondern Kinderbetreuungsgeld. Die Höhe hängt vom gewählten Modell ab (pauschales Konto-KBG oder einkommensabhängiges KBG). Bei der einkommensabhängigen Variante sind es rund 80 Prozent deines vorherigen Nettoeinkommens, maximal 2.000 Euro pro Monat.

Der entscheidende Unterschied: Beim Papamonat bleibst du bei deinem Arbeitgeber voll krankenversichert und deine Pension wird weiter dotiert. In der Väterkarenz übernimmt der Staat die Krankenversicherung, die Pensionsbeiträge sind jedoch niedriger. Beim Papamonat erhältst du außerdem Urlaubs- und Weihnachtsgeld für diesen Monat aliquot – in der Karenz entfällt das.

Du kannst auch beides kombinieren: Zuerst den einmonatigen Papamonat mit Familienzeitbonus und dann direkt anschließend eine längere Väterkarenz. Diese Kombination ist in der Praxis gar nicht so selten und wird von vielen Experten empfohlen. So hast du die ersten Wochen finanziell gut abgesichert und dann mehr Zeit für die Familie.

Familienzeitbonus – Geld vom Staat

Der Familienzeitbonus ist die finanzielle Grundlage des Papamonats. Ohne ihn müsstest du auf dein Gehalt verzichten, wenn du einen Monat zu Hause bleibst. Der Bonus beträgt 22,86 Euro pro Tag, das sind 708,66 Euro für einen vollen Monat mit 31 Tagen. Den Betrag bekommst du steuerfrei vom Staat ausbezahlt.

Dein Arbeitgeber zahlt in dieser Zeit kein Gehalt. Stattdessen beantragst du den Familienzeitbonus direkt bei der ÖGK. Der Arbeitgeber ist lediglich verpflichtet, dich für diesen Monat freizustellen. Er muss dich auch nicht bezahlen – das übernimmt der Staat über den Familienzeitbonus. Für viele Arbeitgeber ist das ein Vorteil, da keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Der Familienzeitbonus ist nicht mit dem Kinderbetreuungsgeld kombinierbar. Das heißt: In dem Monat, in dem du den Papamonat nimmst, bekommst du keinen Cent Kinderbetreuungsgeld – weder von deiner Partnerin noch von dir. Der Bonus ersetzt das KBG für diesen Zeitraum. Das ist wichtig zu wissen, weil euer Haushaltseinkommen in diesem Monat geringer ausfallen wird.

Neben dem Familienzeitbonus gibt es auch den Familienzeitbonus für Väter, die länger als einen Monat zu Hause bleiben. Hier gelten jedoch andere Regeln. Nimmt ein Vater direkt im Anschluss an den Papamonat Väterkarenz, kann er nahtlos in das Kinderbetreuungsgeld wechseln. Die ÖGK stellt die Umstellung automatisch sicher, wenn du den Antrag rechtzeitig stellst.

Wichtig: Der Familienzeitbonus ist kein Einkommensersatz, sondern eine Pauschalleistung. Ob du vorher 2.000 Euro oder 5.000 Euro verdient hast – der Bonus ist immer gleich hoch. Das ist der größte Kritikpunkt am Papamonat. Für Gutverdiener ist der finanzielle Einschnitt deutlich spürbar. Die AK Österreich fordert daher seit Jahren eine Anpassung des Familienzeitbonus an die Inflation.

So beantragst du den Papamonat (Schritt für Schritt)

Der Papamonat ist bürokratisch überschaubar. Du musst nur drei Dinge erledigen: deinen Arbeitgeber informieren, den Antrag bei der ÖGK stellen und deinem Arbeitgeber die Bestätigung vorlegen. Schritt für Schritt sieht das so aus.

Schritt 1: Arbeitgeber informieren

Du musst deinen Arbeitgeber spätestens drei Monate vor dem geplanten Antritt schriftlich über den Papamonat informieren. Die Mitteilung sollte das genaue Datum des Beginns und Endes enthalten. Der Arbeitgeber kann den Papamonat nicht ablehnen – er ist gesetzlich verpflichtet, dich freizustellen. Aber er muss rechtzeitig Bescheid wissen, um deine Vertretung zu organisieren.

Schritt 2: Antrag bei der ÖGK

Den Antrag auf den Familienzeitbonus stellst du bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Du kannst ihn online ausfüllen oder als Papierformular einreichen. Der Antrag sollte spätestens am Tag des Beginns des Papamonats bei der ÖGK sein. Auf der Website der ÖGK findest du das Formular unter „Familienzeitbonus“ oder „Papamonat“.

Zum Antrag brauchst du folgende Unterlagen: die Geburtsurkunde des Kindes, deinen Meldezettel, deine Sozialversicherungsnummer und die Bestätigung des Arbeitgebers über die Freistellung. Die Bearbeitung dauert in der Regel zwei bis vier Wochen. Den Familienzeitbonus bekommst du dann rückwirkend auf dein Konto überwiesen.

Schritt 3: Bestätigung an Arbeitgeber

Wenn du die Bestätigung der ÖGK über die Genehmigung des Familienzeitbonus erhalten hast, gibst du deinem Arbeitgeber eine Kopie. Damit ist alles formal erledigt. Dein Arbeitgeber kann nun selbst die Kosten bei der ÖGK geltend machen, wenn er Lohnfortzahlung geleistet hat – in der Praxis stellt er dich aber unbezahlt frei und du beziehst direkt den Bonus.

Schritt 4: Optional – Kombination mit Väterkarenz

Planst du, direkt im Anschluss Väterkarenz zu nehmen, musst du zusätzlich beim AMS die Väterkarenz und das Kinderbetreuungsgeld beantragen. Der Antrag sollte innerhalb der ersten drei Monate nach der Geburt gestellt werden. Die Kombination Papamonat plus Väterkarenz ist ein häufig gewählter Weg für Väter, die mehr als einen Monat zu Hause bleiben wollen.

Väterkarenz – wenn ein Monat nicht reicht

Der Papamonat ist ein guter Einstieg, aber für viele Väter reicht ein Monat nicht aus. Die Väterkarenz bietet hier die Möglichkeit, länger zu Hause zu bleiben. In Österreich kannst du als Vater zwischen einem Monat und zwei Jahren Karenz nehmen. Die Dauer bestimmst du – in Absprache mit deiner Partnerin – selbst.

Während der Väterkarenz beziehst du kein Gehalt, sondern Kinderbetreuungsgeld. Du hast zwei Varianten zur Auswahl: das einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld und das pauschale Konto-Kinderbetreuungsgeld. Das einkommensabhängige KBG beträgt rund 80 Prozent deines bisherigen Nettoeinkommens, maximal 2.000 Euro pro Monat. Es wird für 12 Monate (bei Alleinerziehenden) beziehungsweise 12 + 2 Monate (bei Paaren) ausbezahlt.

Das pauschale Konto-KBG funktioniert anders: Du hast ein Zeitkonto von 365 Tagen Kinderbetreuungsgeld (851 Tagen bei Aufteilung auf beide Elternteile). Aus diesem Konto kannst du dir so viel oder so wenig auszahlen lassen, wie du möchtest – innerhalb eines Rahmens von 33 bis 65 Euro pro Tag. Je länger du beziehst, desto geringer ist der Tagesbetrag.

Die Väterkarenz ist für viele Männer ein großer Schritt. Du bist während der gesamten Karenzzeit vor Kündigung geschützt. Nach der Karenz hast du das Recht, an deinen alten Arbeitsplatz oder einen gleichwertigen Posten zurückzukehren. Viele Väter nutzen die Karenz, um eine engere Bindung zu ihrem Kind aufzubauen und die Partnerin zu entlasten.

Die Aufteilung der Karenz zwischen Mutter und Vater wird in Österreich immer häufiger. Immer mehr Paare entscheiden sich dafür, die Karenz zu teilen – sei es im Wechsel oder gleichzeitig. Bei gleichzeitiger Karenz verkürzt sich der Bezugszeitraum allerdings. Eine gute Planung ist hier essenziell.

Warum so wenige Väter in Karenz gehen

Trotz aller gesetzlichen Fortschritte ist die Väterkarenz in Österreich noch immer die Ausnahme. Laut Statistik Austria und Kontrast.at nehmen nur rund 16 Prozent der Väter Karenz. Dieser Wert ist im EU-Vergleich auffällig niedrig. In Schweden sind es über 30 Prozent, in Island sogar über 40 Prozent. Österreich ist laut Kontrast.at (2025) ein Schlusslicht bei der Väterkarenz.

Der Hauptgrund ist finanziell: Männer verdienen in Österreich statistisch gesehen immer noch mehr als Frauen. Der Einkommensverlust durch die Karenz ist für viele Familien schwer zu verkraften. Ein Vater, der 3.000 Euro netto verdient, fällt auf maximal 2.000 Euro einkommensabhängiges KBG zurück. Beim pauschalen Konto-KBG sind es sogar nur 33 bis 65 Euro pro Tag.

Ein zweiter Faktor ist das gesellschaftliche Rollenbild. In vielen Unternehmen herrscht eine traditionelle Erwartungshaltung: Der Vater arbeitet, die Mutter kümmert sich um das Kind. Der Schritt in die Karenz wird von manchen Vorgesetzten noch immer hinterfragt. Die Wiener Zeitung berichtet immer wieder von Vätern, die auf Unverständnis stoßen, wenn sie Karenz beantragen.

Der dritte Grund ist mangelndes Wissen. Viele Väter wissen gar nicht, dass sie Anspruch auf Papamonat und Väterkarenz haben. Die Informationslage ist oft unklar, die Begriffe verwirren (Papamonat, Väterkarenz, Familienzeitbonus, Kinderbetreuungsgeld). Die AK Wien und oesterreich.gv.at bieten hier gute Informationsseiten, aber viele Väter erreichen diese Angebote nicht rechtzeitig.

Dabei zeigt die Forschung: Väter, die Karenz genommen haben, sind überwiegend glücklich mit ihrer Entscheidung. Sie berichten von einer engeren Bindung zum Kind, mehr Verständnis für die Partnerin und einer positiven Veränderung ihrer Prioritäten. Das Problem liegt nicht in der Zufriedenheit, sondern in der Hürde, den ersten Schritt zu machen.

Fazit – Warum du den Papamonat nehmen solltest

Der Papamonat ist eine der unterschätztesten Leistungen für Väter in Österreich. Er gibt dir die Möglichkeit, direkt nach der Geburt eine intensive Zeit mit deinem Kind zu verbringen. Der finanzielle Verlust ist durch den Familienzeitbonus abgefedert, und dein Arbeitsplatz ist während dieser Zeit geschützt. Sprich mit deinem Arbeitgeber über die Möglichkeiten.

Denk daran: Die Frist von 91 Tagen nach der Geburt läuft schnell ab. Wenn du den Papamonat nehmen möchtest, solltest du ihn frühzeitig planen. Die Anträge sind einfach und die ÖGK sowie die AK Wien helfen dir bei Fragen. Auf oesterreich.gv.at findest du alle offiziellen Informationen zu Papamonat und Väterkarenz.

Ob du nur den Papamonat nimmst oder gleich eine längere Väterkarenz planst – wichtig ist, dass du dir die Zeit nimmst. Die ersten Wochen mit deinem Kind bekommst du nie wieder zurück. Wenn du die Möglichkeit hast, nutze sie. Du wirst es nicht bereuen.


Quellen: AK Wien – Papamonat und Familienzeitbonus; oesterreich.gv.at – Papamonat: Freistellung für Väter; gesundheit.gv.at – Väterkarenz; AMS – Papamonat Infos; Kontrast.at (2025): Österreich Schlusslicht bei Väterkarenz; Statistik Austria – Mikrozensus 2025; Wiener Zeitung – Warum Väter selten in Karenz gehen

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