Allerheiligen Kindern erklären: Papa-Guide für Tod & Trauer

9. Oktober 2026 · Erziehung
Herbstfriedhof als Lichtermeer aus Grablichtern an Allerheiligen

Servus! Der 1. November rückt näher. Auf den Friedhöfen in ganz Österreich glimmen bald wieder tausende rote Lichter, dazwischen immergrüne Zweige und weiße Chrysanthemen. Für viele Familien gehört der Gang zum Grab fest dazu. Und dann kommt irgendwann die Frage, die uns Papas kurz innehalten lässt: „Papa, wo ist die Oma jetzt eigentlich?“

Vielleicht liegt der Moment noch vor dir. Vielleicht drückst du dich seit Wochen davor. Das versteh ich. Tod, Verlust und Trauer sind keine leichten Themen. Mit Kindern darüber zu reden, fühlt sich oft an, als würden wir auf einem schmalen Grat balancieren: zu wenig sagen und sie allein lassen, zu viel sagen und sie überfordern.

Genau darum geht es hier. Ich zeig dir, wie du Allerheiligen und Allerseelen als Anlass nutzt, um mit deinem Kind ehrlich über den Tod zu sprechen. Welche Worte in welchem Alter funktionieren, welche Fehler du dir sparen kannst und warum deine eigenen Gefühle dabei eine größere Rolle spielen, als du vielleicht denkst. Der Friedhofsbesuch ist dabei kein Problem, das du wegräumen musst. Er ist eine Tür, die gerade an diesem Tag offen steht.

Was Kinder in welchem Alter verstehen

Bevor du losredest, hilft ein Blick darauf, wie Kinder den Tod überhaupt begreifen. Wichtig vorweg: Altersangaben sind hier nur Richtwerte. Jedes Kind ist anders, und die Entwicklung hängt stark davon ab, was es selbst schon erlebt hat. Ein Kind, das früh einen Verlust erlebt hat, kann manches früher verstehen als eines, das bisher nie mit dem Tod in Berührung kam. Die Fachliteratur beschreibt das Verständnis des Todes als etwas, das Kinder sich Stück für Stück erarbeiten, nicht als Schalter, der an einem bestimmten Geburtstag umgelegt wird.

Vereinfacht lassen sich vier Kernideen unterscheiden, die ein Kind nach und nach erfasst: dass der Tod endgültig ist, dass er alle Menschen irgendwann betrifft, dass er eine Ursache hat und dass ein toter Körper nicht mehr funktioniert. Diese Bausteine kommen bei Kindern zu unterschiedlichen Zeiten zusammen. Was das für dein Gespräch bedeutet, hängt also davon ab, wo dein Kind gerade steht, nicht davon, wie alt der Ausweis sagt, dass es ist.

Als Papa ist dein Vorteil: Du kennst dein Kind. Du merkst, wann es wirklich zuhört, wann es überfordert ist und wann es eigentlich nur kurz Antwort will und dann wieder spielen geht. Die folgenden drei Abschnitte sind eine grobe Landkarte, keine Tabelle, die du abhaken musst.

2 bis 4 Jahre: Der Tod ist noch nicht endgültig

Kleine Kinder in diesem Alter haben meist noch kein Konzept von Endgültigkeit. Der Tod wirkt für sie oft umkehrbar, so ähnlich wie Weggehen: Wer gegangen ist, kommt vielleicht wieder. Das heißt nicht, dass ihnen der Verlust nichts ausmacht. Sie spüren den Schmerz der Erwachsenen um sich herum sehr genau und reagieren stark auf die Stimmung zu Hause. Ein Kind merkt, dass etwas Schweres passiert ist, auch wenn es das Wort „gestorben“ noch nicht einordnen kann.

Was hier hilft: kurze, klare Sätze, ohne große Erklärungen. „Die Oma ist gestorben. Ihr Körper hat aufgehört zu arbeiten. Sie kommt nicht mehr zurück.“ Mehr braucht es oft nicht. Erwarte keine tiefen Nachfragen. Ein Dreijähriger kann auf so einen Satz mit „Und was gibt es heute zu essen?“ reagieren und zehn Minuten später noch einmal fragen, ob die Oma bald wieder da ist. Das ist normal und kein Zeichen von Gefühllosigkeit.

Sei bereit, die gleiche Antwort mehrfach zu geben. Wiederholung ist in diesem Alter ein wichtiger Weg, wie Kinder die Welt verarbeiten. Und bleib bei deinen klaren Worten. Wenn du das Verständnis anfangs klein hältst, hat dein Kind später weniger Missverständnisse auszuräumen.

5 bis 8 Jahre: Fragen, magisches Denken und erste Ängste

In dieser Phase kommen die Fragen. Viele, manchmal mitten im Alltag, mitten im Supermarkt oder kurz vor dem Einschlafen. Kinder zwischen fünf und acht beschäftigt der Tod aktiv, und sie mischen dabei oft magische Vorstellungen mit dem, was sie von dir hören. Manche glauben, ein toter Mensch „lebe ein bisschen weiter“ oder könne noch sehen und hören, was die Familie macht. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern ein normaler Zwischenschritt.

Zwei Dinge können in diesem Alter auftauchen und brauchen deine Aufmerksamkeit. Das eine sind Verlustängste: „Stirbst du auch mal, Papa?“ Das andere sind Schuldgefühle. Kinder in diesem Alter beziehen Ereignisse gern auf sich. Sie können den Eindruck entwickeln, ihr Verhalten hätte irgendwie mit dem Tod zu tun gehabt, auch wenn das für Erwachsene absurd klingt. Genau deshalb lohnt es sich, ausdrücklich zu sagen: „Du hast nichts falsch gemacht. Das hat nichts mit dir zu tun.“

Antworte ehrlich, aber knapp. Wenn ein Kind fragt, ob du auch stirbst, ist die wahre Antwort ein klares Ja, aber mit Einordnung: „Ja, irgendwann einmal. Aber ich bin jetzt gesund und ich hab vor, noch ganz lange bei dir zu sein.“ Diese Mischung aus Wahrheit und Sicherheit ist genau das, was ein Kind in dem Alter braucht. Wenn die Ängste stärker werden, hilft dir auch unser Beitrag über Kinderängste verstehen und begleiten weiter.

9 bis 12 Jahre: Die Endgültigkeit begreifen

Ab dem Grundschulalter begreifen die meisten Kinder, dass der Tod endgültig und unausweichlich ist und dass er alle Menschen betrifft, auch die eigenen Eltern und irgendwann sie selbst. Sie verstehen jetzt das ganze Ausmaß, und das kann mitunter schwerer wiegen als die eher magischen Vorstellungen davor. Ein Kind in dem Alter benennt den Tod und durchdenkt zugleich, was er bedeutet.

Das heißt: Du musst auf echte, manchmal unbequeme Fragen gefasst sein. „Was passiert mit dem Körper?“, „Gibt es ein Leben nach dem Tod?“, „Warum musste gerade sie sterben?“ Hier gibt es keine perfekten Antworten, und das darfst du ruhig zugeben. Ehrlichkeit schließt auch das Eingeständnis ein, dass du manches selbst nicht weißt. Gerade bei der Frage nach dem Danach hilft es, offen zu sagen, was du glaubst, und gleichzeitig Raum zu lassen: „Ich glaube, dass die Oma in unserer Erinnerung weiterlebt. Manche Menschen glauben an ein Leben nach dem Tod, manche nicht. Was denkst du?“

Kinder in dem Alter schätzen es, ernst genommen zu werden. Eine ehrliche Unterhaltung auf Augenhöhe wirkt hier stärker als jede beruhigende Floskel.

Kindgerechte Erklärsätze für den Ernstfall

Die größte Hürde beim Thema Tod sind oft nicht die Kinder, sondern unsere eigenen Worte. Wir Erwachsene neigen dazu, den Tod zu verblümen, weil er uns selbst unangenehm ist. Genau das verwirrt Kinder aber am meisten. Sätze wie „Die Oma ist eingeschlafen“ oder „Der Opa ist für immer weggegangen“ klingen harmlos, können aber Schlafangst oder Trennungsangst auslösen. Ein Kind, das hört, dass jemand „eingeschlafen“ und nicht wieder aufgewacht ist, hat danach vielleicht Angst vor dem eigenen Zubettgehen.

Verwende klare, einfache Worte. Der Tod heißt „gestorben“. Der Körper hat „aufgehört zu arbeiten“. Das ist nicht brutal, es ist ehrlich, und Kinder können mit Ehrlichkeit viel besser umgehen als mit Rätseln. Hier ein paar Formulierungen, die du fast wortgleich übernehmen kannst:

  • „Die Oma ist gestorben. Das heißt, ihr Körper hat aufgehört zu arbeiten. Sie kommt nicht mehr zurück.“
  • „Gestorben heißt, dass jemand nicht mehr atmet, nicht mehr schläft und keinen Schmerz mehr spürt.“
  • „Du hast nichts falsch gemacht. Manche Menschen sterben, weil sie sehr alt oder sehr krank waren. Das hat nichts mit dir zu tun.“
  • „Es ist okay, traurig zu sein. Und es ist auch okay, mal nicht traurig zu sein.“

Pass die Wörter ans Alter an, aber bleib bei der Wahrheit. Ein Satz wie „der Körper hat aufgehört zu arbeiten“ funktioniert bei einem Vierjährigen genauso wie bei einem Zehnjährigen, nur die Nachfragen werden unterschiedlich ausfallen.

Allerheiligen und Allerseelen: Was das Fest bedeutet

Für viele Kinder ist der Novemberanfang erst einmal ein Tag mit freiem Schultag und viel Kerzenlicht. Damit du erklären kannst, was da eigentlich gefeiert wird, lohnt ein kurzer Überblick, und zwar so neutral, dass er für gläubige wie für nicht-religiöse Familien passt.

Allerheiligen am 1. November ist ein christliches Hochfest. An diesem Tag wird aller Heiligen gedacht, der bekannten wie der unbekannten. In Österreich ist der 1. November ein gesetzlicher Feiertag, und im Volksbrauch hat sich das Gedenken an die Heiligen eng mit dem Gedenken an die eigenen Verstorbenen vermischt. Allerseelen am 2. November ist dann der eigentliche Gedenktag aller Verstorbenen, traditionell verbunden mit der Segnung der Gräber, die vielerorts schon am Nachmittag von Allerheiligen stattfindet. In Österreich ist Allerseelen kein gesetzlicher Feiertag, aber in vielen Schulen frei. Mehr zum österreichischen Brauchtum rund um den Tag findest du auch bei Feiertage Österreich.

Kindgerecht erklärt klingt das so: „An Allerheiligen und Allerseelen denken wir an Menschen, die gestorben sind. Wir besuchen ihr Grab, zünden ein Licht an und erinnern uns an sie. Das machen viele Familien in Österreich, und es tut gut, sich an die Menschen zu erinnern, die wir lieb gehabt haben.“

Und hier ist der wichtige Punkt für dich als Papa: Du brauchst dafür keinen kirchlichen Rahmen. Wenn deine Familie nicht religiös ist, funktioniert das Erinnern genauso. Ein selbst gestalteter Erinnerungsort zu Hause, eine Kerze am Fenster, ein Foto, das man gemeinsam anschaut, eine Geschichte, die man erzählt. All das trägt den gleichen Kern: Wir vergessen die Menschen nicht, die wir verloren haben. Beides ist gleichwertig, und dein Kind übernimmt ohnehin, was es bei dir sieht.

Das Grablicht: Ein Ritual, das Kindern Halt gibt

Das rote Grablicht ist für Kinder oft das greifbarste Bild von Allerheiligen. Abends werden die Friedhöfe zum Lichtermeer, und genau dieses Bild ist für Kinder stark und zugänglich. Ein Licht, das in der Dunkelheit brennt, braucht keine komplizierte Erklärung. Es leuchtet für jemanden, der nicht mehr da ist, und es bleibt noch eine Weile hell, nachdem man selbst wieder gegangen ist. Mehr zum Symbol der Lichter am Grab beschreibt auch dieser Bericht über die Rituale des Gedenkens.

Kinderhände und Erwachsenenhand zünden gemeinsam ein Grablicht an

Das Gute an Ritualen wie dem Grablicht: Sie geben Kindern Halt, gerade weil sie sich jedes Jahr wiederholen. Ein Kind weiß dann: An diesem Tag machen wir das so. Wir nehmen ein Licht, wir zünden es an, wir stellen es auf das Grab. Diese Vorhersehbarkeit nimmt einem emotional aufgeladenen Tag etwas von seinem Schrecken.

Lass dein Kind dabei mithelfen, wenn es mag. Ein Grablicht anzünden, ein kleines Gesteck ablegen, einen Stein zurechtrücken. Solche kleinen Handgriffe verwandeln das Kind vom stillen Zuschauer in einen aktiven Teil des Erinnerns. Du kannst dabei erklären: „Dieses Licht brennt für die Oma. Solange es brennt, denken wir an sie.“ Mehr Worte braucht es an der Stelle nicht.

Gemeinsam erinnern: Rituale, die trösten

Neben dem Grablicht gibt es viele Wege, das Erinnern zu einem gemeinsamen Ritual zu machen, das wirklich tröstet. Wichtig ist nicht die Form, sondern dass es euer eigenes wird. Hier ein paar Ideen, aus denen du dir herauspicken kannst, was zu deiner Familie passt:

Brennendes Grablicht auf der Fensterbank mit Herbstlaub und Chrysanthemen
  • Ein Foto anschauen und gemeinsam eine Geschichte von früher erzählen.
  • Eine Kerze zu Hause anzünden, auch ohne Friedhof.
  • Ein Bild malen oder einen Brief schreiben, der an den Verstorbenen gerichtet ist.
  • Ein Lieblingsessen kochen, das die Person früher gern gegessen hat.
  • Einen Ort besuchen, der mit der Person verbunden war, etwa einen Lieblingsplatz.

Auch im Brauchtum steckt viel Tröstliches, das du aufgreifen kannst. Der Allerheiligen-Striezel etwa, der geflochtene Germteig-Zopf, wird in Österreich traditionell von Paten an Patenkinder verschenkt. Und der Grabschmuck aus immergrünen Zweigen wie Tanne oder Eibe steht für Hoffnung und Beständigkeit, während die Chrysantheme die klassische Blume des Tages ist. Du kannst solche Details kindgerecht aufgreifen oder ganz weglassen, je nachdem, was deine Familie trägt.

Der Kern bleibt immer gleich: Erinnerung ist etwas, das man teilt. Ein Kind, das erlebt, dass man über einen toten Menschen lachen und weinen und reden darf, lernt, dass Trauer und Liebe zusammengehören.

Der Friedhofsbesuch mit Kindern

Der Friedhof ist für Kinder kein gruseliger Ort, solange du ihn nicht dazu machst. Kinder lesen deine Haltung ab. Gehst du ruhig und selbstverständlich hin, ist es für sie ein ruhiger, selbstverständlicher Ort mit vielen Blumen und Lichtern. Wirkst du verkrampft, spüren sie das sofort.

Bereite dein Kind vor, statt es zu überrumpeln. Erklär kurz, was ihr macht: „Wir besuchen das Grab der Oma, legen Blumen hin und zünden ein Licht an.“ Sag ihm auch, wie lange ihr ungefähr bleibt und dass es danach wieder nach Hause geht. Für kleinere Kinder ist diese zeitliche Sicherheit Gold wert. Und nimm nichts als selbstverständlich: Ein Kind darf auch mal nicht mit wollen. Wenn es sich an diesem Tag nicht bereit fühlt, ist das in Ordnung. Ein kurzer Besuch reicht oft völlig, und beim nächsten Mal klappt mehr.

Auf dem Friedhof selbst: Lass dein Kind Fragen stellen, auch die direkten. „Warum ist hier so viel still?“, „Was bedeuten die Kreuze?“, „Ist die Oma da unter der Erde?“ Antworte ruhig und ehrlich, so wie in den Erklärsätzen oben. Und lass auch Platz für Leichtigkeit. Kinder dürfen auf dem Friedhof die vielen Blumen bestaunen oder einem Vogel nachschauen. Trauer und kindliche Neugier schließen sich nicht aus.

Diese Fehler solltest du vermeiden

Beim Thema Tod sind ein paar Fehler so verbreitet, dass sie fast jeder schon gemacht hat. Du musst nicht perfekt sein, aber wenn du diese vier Punkte kennst, sparst du dir und deinem Kind einiges an Verwirrung:

  • Euphemismen statt klarer Worte. „Eingeschlafen“ und „für immer weggegangen“ sind die häufigsten Fallen. Sie klingen sanft, verursachen aber oft genau die Ängste, die sie vermeiden sollen. Sag „gestorben“.
  • „Sei tapfer“ und „Wein nicht“. Solche Sätze bringen Kindern bei, ihre Gefühle zu unterdrücken. Besser: „Es ist okay, traurig zu sein. Ich bin da.“
  • Den Tod verschweigen. Manche Eltern meinen es gut und erzählen nichts, um das Kind zu schonen. Kinder spüren aber, dass etwas passiert ist, und füllen die Lücke mit eigenen, oft beängstigenderen Ideen. Ehrlichkeit in altersgerechter Form ist schonender.
  • Die eigenen Tränen verstecken. Dazu gleich mehr, denn das ist ein eigener, großer Punkt.

Keiner dieser Fehler macht dich zu einem schlechten Vater. Sie sind menschlich, weil der Tod uns selbst trifft. Aber wenn du sie kennst, kannst du beim nächsten Gespräch bewusster reagieren.

Papas eigene Trauer: Warum du Gefühle zeigen darfst

Jetzt der Teil, der auf diesem Blog nicht fehlen darf: deine eigene Trauer als Vater. Viele Männer haben gelernt, stark zu sein, die Fassung zu wahren, die Familie zusammenzuhalten. Beim Tod eines nahen Menschen gerät genau das an seine Grenze. Und dann passiert oft etwas, das für dein Kind der wertvollste Moment von allen sein kann: Du weinst vor ihm.

Das ist kein Versagen. Es ist Vorbild. Wenn dein Kind sieht, dass auch sein Papa traurig sein und weinen darf, lernt es, dass Gefühle in Ordnung sind und dass man sie zeigen darf. Du bringst ihm damit mehr bei als mit jedem noch so guten Erklärsatz. Ein Kind, das erlebt, dass Traurigkeit ausgesprochen und geteilt werden darf, wird später selbst besser mit seinen Gefühlen umgehen.

Das heißt nicht, dass du dich von deinen Gefühlen überrollen lassen musst, während dein Kind zuschaut. Es heißt nur: Verstecke sie nicht krampfhaft. Sag ruhig, was los ist: „Ich bin gerade traurig, weil ich die Oma vermisse. Das ist in Ordnung. Du darfst auch traurig sein.“ Damit gibst du der Trauer einen Namen und nimmst deinem Kind die Angst vor deinen Tränen.

Und pass nebenbei auch auf dich selbst auf. Trauer, Schlafmangel und Alltag können sich zu einer Last auftürmen, die irgendwann zu viel wird. Wenn du merkst, dass du dauerhaft erschöpft bist, lohnt sich ein Blick auf unseren Beitrag zum Vater-Burnout erkennen und gegensteuern. Denn du kannst dein Kind nur dann gut durch schwere Zeiten begleiten, wenn du selbst nicht auf dem Zahnfleisch gehst.

Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Trauer ist normal, und es gibt keinen festen Zeitplan, an dem sie „vorbei“ sein müsste. Es gibt keine starren Phasen, die jedes Kind gleich durchläuft, und es gibt kein „richtiges“ Trauern. Deshalb solltest du dich nicht von irgendwelchen Faustregeln unter Druck setzen lassen. Was aber auffallen darf, sind Veränderungen, die lange anhalten und den Alltag deines Kindes belasten.

Achte auf Dinge wie: anhaltende Schlafprobleme oder starke Trennungsangst über viele Wochen, Rückzug von Freunden und Hobbys, anhaltende körperliche Beschwerden ohne erkennbare Ursache, oder ein Kind, das dauerhaft so tut, als wäre nichts gewesen. Solche Zeichen bedeuten nicht, dass etwas „falsch“ läuft. Sie können aber ein Hinweis sein, dass dein Kind Unterstützung braucht, die über das hinausgeht, was du als Papa allein leisten kannst. Genauso gilt das für dich selbst: Wenn deine eigene Trauer dich über Wochen lähmt, ist Hilfe keine Schwäche.

In Österreich gibt es dafür gute, kostenlose Anlaufstellen. Für Kinder und Jugendliche ist Rat auf Draht rund um die Uhr unter der Nummer 147 erreichbar, anonym und kostenlos. Die Telefonseelsorge ist unter 142 da, ebenfalls rund um die Uhr und vertraulich. Speziell für Kinder, die einen nahen Menschen verloren haben, begleitet RAINBOWS Österreich bei Trennung, Scheidung und Tod. Und der Dachverband Hospiz Österreich hilft mit Begleitung und einer Übersicht an Einrichtungen. Wie du psychologische Betreuung in Österreich über die Kasse bekommst, erklärt unser Beitrag zur psychologischen Betreuung auf Kasse.

Der Tod eines nahen Menschen ist für eine Familie eine der schwersten Prüfungen überhaupt. Es ist kein Eingeständnis von Schwäche, wenn du dir dabei Unterstützung holst. Es ist genau das Gegenteil.

Häufige Fragen

Ab welchem Alter kann ich mit meinem Kind über den Tod sprechen?

Es gibt kein Mindestalter. Sobald dein Kind fragt, ist der richtige Zeitpunkt da, und dann gilt: ehrlich, aber altersgerecht. Ein Dreijähriger braucht einen kurzen, klaren Satz, ein Zehnjähriger eine ausführlichere Unterhaltung. Wichtiger als das Alter ist, dass du die Worte an den Entwicklungsstand deines Kindes anpasst.

Muss mein Kind mit auf den Friedhof, oder kann das überfordern?

Es muss nicht. Der Friedhof ist eine Möglichkeit, kein Zwang. Wenn dein Kind mit will, bereite es kurz vor und haltet den Besuch überschaubar. Wenn es nicht will oder du das Gefühl hast, es ist gerade zu viel, ist auch das in Ordnung. Es gibt kein Richtig oder Falsch, nur euer eigenes Tempo.

Was antworte ich auf „Wo ist die Oma jetzt?“

Ehrlich und einfach: „Die Oma ist gestorben. Ihr Körper hat aufgehört zu arbeiten. Wir können sie nicht mehr besuchen, aber wir können uns an sie erinnern.“ Wenn dein Kind nach dem Danach fragt, sag offen, was du selbst glaubst, und lass Raum für seine eigenen Gedanken.

Darf ich vor meinem Kind weinen?

Ja. Deine Tränen zeigen deinem Kind, dass Traurigkeit ein normales Gefühl ist, das man zeigen darf. Erklär kurz, warum du weinst, damit dein Kind deine Tränen nicht auf sich bezieht: „Ich bin traurig, weil ich die Oma vermisse.“

Was ist der Unterschied zwischen Allerheiligen und Allerseelen?

Allerheiligen am 1. November ist ein christliches Hochfest zum Gedenken aller Heiligen. Allerseelen am 2. November ist der Gedenktag aller Verstorbenen, traditionell mit der Segnung der Gräber verbunden. Im Alltag fließen beide Tage ineinander, und in Österreich stehen beide für den Gang zum Grab mit Licht und Blumen.

Was, wenn mein Kind gar nicht traurig wirkt oder nicht trauern will?

Das kommt vor und ist kein Grund zur Sorge. Kinder trauern anders als Erwachsene, oft in Schüben und manchmal mit viel Abstand. Ein Kind, das gerade fröhlich spielt, kann später unvermittelt traurig werden. Zwinge keinem Kind eine bestimmte Reaktion auf. Wichtig ist nur, dass die Tür offen bleibt und dein Kind jederzeit kommen kann, wenn es reden will.

Soll ich sagen, dass jemand „eingeschlafen“ ist?

Nein. Formulierungen wie „eingeschlafen“ oder „für immer weggegangen“ können Schlafangst und Trennungsangst auslösen, weil Kinder sie wörtlich nehmen. Sag klar „gestorben“ und erkläre, dass der Körper aufgehört hat zu arbeiten.

Woran erkenne ich, dass mein Kind professionelle Hilfe braucht?

Wenn Veränderungen lange anhalten und den Alltag belasten: anhaltende Schlafprobleme, starke Trennungsangst, Rückzug, dauerhafte körperliche Beschwerden ohne Ursache oder ein Kind, das über Wochen so tut, als wäre nichts gewesen. Das sind Hinweise, dass zusätzliche Unterstützung sinnvoll sein kann, keine Diagnosen.

An wen kann ich mich in Österreich wenden?

Für Kinder und Jugendliche ist Rat auf Draht unter 147 erreichbar, rund um die Uhr und kostenlos. Die Telefonseelsorge ist unter 142 da. RAINBOWS Österreich begleitet Kinder bei Trennung, Scheidung und Tod. Der Dachverband Hospiz Österreich bietet Begleitung und eine Einrichtungsübersicht.

Reden wir drüber

Allerheiligen ist ein Tag, an dem in Österreich die Lichter für die angezündet werden, die nicht mehr da sind. Wenn du deinem Kind dabei hilfst, den Tod in klaren, ehrlichen Worten zu verstehen, schenkst du ihm etwas, das ein Leben lang trägt: die Sicherheit, dass über schwere Dinge gesprochen werden darf.

Wie redest du als Papa mit deinem Kind über den Tod? Welche Worte haben bei euch funktioniert, welche nicht? Schreib es mir in die Kommentare. Und wenn du jemanden kennst, der gerade nach den richtigen Worten sucht, leite ihm diesen Beitrag weiter. Das Thema ist schwer genug, da hilft jede geteilte Erfahrung.