Lieszeit: ~12 Minuten

Irgendwann kommt dieser Moment. Du schaust dein Kind an, greifst zur gefühlt tausendsten Windel und denkst: „Oida, irgendwann ist’s doch mal gut, oder?“

Dann fängt das Chaos an. Die Oma erzählt, du wärst mit 13 Monaten trocken gewesen. Die Hebamme sagt „warte lieber bis 3“. Der Kinderarzt meint was von „zwischen 2 und 3 ist normal“.

Auf Instagram siehst du Mamas, deren Kinder mit 18 Monaten stolz auf dem Klo sitzen. Im Elternforum schreibt einer, sein Kind ist mit 4 immer noch in der Windel – nd fünf Kommentare weiter heißt es „mach mal das 3-Tage-Programm, hat bei uns sofort geklappt.“ Klares Chaos.

Ich kenn das. Hab mich durch zig Ratgeber gelesen, ausprobiert, bin gescheitert, hab’s nochmal probiert und am Ende – at’s funktioniert. Aber ehrlich? Ich hätte mir damals einen einzigen klaren Guide gewünscht, der mir sagt: So läuft’s, keine Panik, dein Kind wird nicht mit 18 zur Schule gehen und noch Windeln tragen. Diesen Guide schreib ich jetzt für alle Papas, die nicht noch drei Monate durch 50 verschiedene Methoden irren wollen.

Kriegst hier einen klaren Fahrplan. Wissenschaftlich fundiert – razelton, Fox & Azrin, aktuelle Meta-Analysen. Ohne Druck, auf Österreich zugeschnitten. Ich sag dir welche Methode wann Sinn macht, welche Ausrüstung du brauchst, und vor allem: worauf du scheißen kannst.

Papa und Kleinkind beim Töpfchentraining im Badezimmer

Ab wann ist mein Kind bereit? Die 7 Anzeichen der Sauberkeits-Reife

Ok, fangen wir mit der wichtigsten Erkenntnis an: Dein Kind bestimmt den Zeitpunkt. Nicht du. Nicht die Oma. Nicht die Instagram-Mama, deren Kind angeblich mit 18 Monaten trocken war. Wer das ignoriert, wird sich monatelang ärgern.

Es gibt sieben klare Anzeichen. Fünf davon sind bekannte Klassiker, zwei werden oft übersehen.

Die körperlichen Signale – ummer 1 bis 3:

Erstens: Dein Kind bleibt zwei Stunden oder länger trocken. Die Blase speichert schon. Wenn du nach dem Mittagsschlaf die Windel checkst und sie ist nicht voll – as ist dein erstes grünes Licht.

Zweitens: Der Stuhlgang wird regelmäßiger. Jeden Tag etwa zur gleichen Zeit. Klingt eklig, ist aber praktisch – lare Timing-Ansage.

Drittens: Dein Kind zeigt an, wenn was passiert. Zuerst hinterher – #8222;pipi gemacht!“ mit einem stolzen Grinsen. Dann irgendwann währenddessen – as Kind hält inne, schaut runter, macht ein Gesicht. Danach kommt das Vorhersagen: „mama/papa, pipi!“ Bevor was kommt. Das ist der Goldmoment.

Die kognitiven Signale – ummer 4 bis 6:

Viertens: Einfache Anweisungen werden verstanden. „Komm, wir gehen zum Töpfchen.“ Kein leerer Blick, keine Flucht – as Kind trottet mit.

Fünftens: Dein Kind kann „nass“ und „trocken“ unterscheiden. Zeigt auf die nasse Hose und sagt „nass“ oder „pipi“. Es versteht: Das da unten ist nicht nur warm – s hat einen Namen und einen Ort, wo’s hingehört.

Sechstens: Dein Kind interessiert sich fürs Klo. Will mit ins Bad, beobachtet dich, stellt Fragen. Setzt die Puppe aufs Töpfchen. Das ist kein Zufall – as ist Lernen durch Beobachtung, und das ist bei Kleinkindern der stärkste Lernmechanismus überhaupt.

Nummer 7 – as große Übersehene:

Dein Kind kann die Hose runter- und hochziehen. Klingt banal, ist aber der absolute Gamechanger. Ohne diese Motorik wirst du jedes Mal die Hose runterfummeln müssen, während das Kind ungeduldig zappelt. Das führt zu Frust auf beiden Seiten. Wenn dein Kind selbst die Hose runterkriegt – lückwunsch, du bist startklar.

Wann ist zu früh?

Die kurze Antwort: Vor 18 Monaten bringt’s fast nix. Und ich mein das nicht als „okay aber manche schaffen’s ja vielleicht“ – ein, die Studien sind da eindeutig.

Der Kinderarzt T. Berry Brazelton hat das in den 1960ern erforscht und seine Arbeit ist bis heute der Goldstandard der Pädiatrie, bestätigt durch aktuelle Meta-Analysen. Seine Erkenntnis: Wer vor 18 Monaten mit dem Töpfchentraining startet, braucht im Schnitt über 12 Monate bis zur zuverlässigen Trockenheit. Zwölf Monate.

Ein ganzes Jahr. Für nix.

Wer dagegen zwischen 24 und 30 Monaten startet, ist in drei bis sechs Monaten durch. Das ist fast die halbe Zeit. Und das Kind hat weniger Frustration erlebt.

Also: Früh übt sich nicht. Früh nervt nur alle.

Der österreichische Durchschnitt: Die meisten Kids hierzulande sind zwischen 2,5 und 3 Jahren tagsüber trocken. Nachts wird’s oft erst mit 4 oder 5 was. Und das ist komplett normal. Kein Grund für Druck, kein Grund für Vergleiche.

Dein Nachbarskind, das mit 2 schon trocken war? Freut euch für die – nd mach dein Ding.

Töpfchen, WC-Aufsatz oder direktes Klo? Die Ausrüstung

Jetzt wird’s praktisch. Du stehst im Laden, vor dir ein Regal voller Töpfchen. Eins blinkt, eins hat eine eingebaute Musikbox, eins ist schlicht grün. Daneben WC-Aufsätze in drei Größen und Tritthocker aus Holz, Kunststoff, mit Anti-Rutsch-Noppen. Was kaufst du jetzt?

Das Töpfchen – er Klassiker:

Dein Kind sitzt mit den Füßen auf dem Boden. Keine Höhenangst, keine Schwebebalken-Gefühle. Du kannst es überall hinstellen – ohnzimmer, Kinderzimmer, im Sommer auf den Balkon. Dein Kind hat die Kontrolle, steigt rauf und runter wann es will.

Nachteil: Ja, du musst es putzen. Inhalt entleeren, auswischen, fertig. Nicht geil, aber machbar. Und irgendwann steht die Umstellung aufs echte Klo an – och ein Übergang mehr.

Meine Empfehlung: Einfach, stabil, leicht zu reinigen. Das IKEA-Töpfchen für 5 Euro tut’s genauso wie das Marken-Töpfchen um 30 Euro. Kein Schnickschnack, keine Musik, keine Lichter – as lenkt nur ab. Dein Kind soll aufs Töpfchen, nicht Disco feiern.

WC-Aufsatz + Tritthocker – ie Alternative:

Dein Kind sitzt direkt auf dem richtigen Klo. Kein zweiter Umgewöhnungsschritt, weil es das große Geschäft gleich dort macht, wo es später auch hinsoll. Der Tritthocker gibt Stabilität – ind klettert selbstständig rauf, Füße haben Halt. Das ist ein Riesenvorteil für die Selbstständigkeit.

Nachteil: Manche Kinder haben Angst. Dieses große Loch unter sich – erständlich. Und die Höhe kann einschüchtern. Da hilft nur: langsam rantasten. Erst mit dem Kind zusammen draufsetzen, dann allein, dann feste Zeiten.

Was ist besser?

Ehrlich? Beides. Wir hatten das Töpfchen im Wohnzimmer – ür schnelle Erfolge zwischendurch, wenn das Kind beim Spielen war und nicht drei Meter rennen musste. Und den WC-Aufsatz im Bad – ür die „große Show“, das richtige Klo-Erlebnis.

Papa-Tipp: Lass dein Kind das Töpfchen selbst aussuchen. Wir sind zu IKEA, haben drei Modelle hingestellt, und unser Kind hat sich für das grüne entschieden. Klingt banal. Aber plötzlich war’s „SEIN“ Töpfchen.

Es hat es stolz durch die Wohnung getragen, es seinem Teddy gezeigt. Dieses Gefühl von Eigenverantwortung und Kontrolle – old wert für den ganzen Prozess.

Am Ende zählt eh nicht das Equipment. Konsistenz schlägt Perfektion, jeden Tag. Ein günstiges Töpfchen, das regelmäßig genutzt wird, ist besser als ein High-End WC-Aufsatz, der in der Ecke verstaubt, weil das Kind Angst davor hat.

Die 3 bewährten Methoden im Überblick

Drei Methoden beherrschen den Markt. Ich stell sie dir vor, sag dir ehrlich, was taugt, was nicht – nd warum ich eine davon für Papas am besten finde.

Methode 1: Das kindorientierte Modell nach Brazelton

Das ist der Klassiker unter den Methoden. Entwickelt vom Kinderarzt T. Berry Brazelton, der schon in den 1960ern kapiert hat, dass man Kinder nicht zwingen kann, trocken zu werden.

Das Prinzip: Dein Kind bestimmt das Tempo. Du stellst das Töpfchen bereit, bietest es regelmäßig an, aber du zwingst nichts. Wenn dein Kind heute keine Lust hat – kay, dann halt morgen.

Der Ablauf: Töpfchen kommt ins Wohnzimmer oder Kinderzimmer . ichtbar, nicht im Bad versteckt. Nach dem Aufstehen bietest du es an. Nach jedem Essen.

Vor dem Schlafengehen. Dreimal am Tag, viermal, je nachdem. Wenn was kommt, freust du dich leise – in Lächeln, ein „super gemacht“. Wenn nicht: Schulterzucken, weitermachen.

Die Methode lebt von der Regelmäßigkeit ohne Druck. Dein Kind soll das Töpfchen als normalen Teil des Alltags erleben, nicht als Prüfungssituation.

Pro: Null Stress für alle Beteiligten. Keine Machtkämpfe – eil es keine gibt. Nachhaltige Erfolge, weil das Kind aus eigenem Antrieb lernt.

Kontra: Es dauert. Drei bis sechs Monate sind die Norm. Wer schnelle Ergebnisse braucht (Kitastart, zweites Kind unterwegs), wird nervös.

Für wen? Perfekt für entspannte Kinder, die sich ungern drängen lassen. Und für Eltern, die Zeit und Geduld mitbringen. Wenn dein Kind eher der gemütliche Typ ist, der sich nicht hetzen lässt – razelton ist dein Freund.

Methode 2: Das 3-Tage-Programm nach Fox & Azrin

Die Hardcore-Methode. Fox & Azrin, zwei Verhaltenspsychologen, haben das in den 1970ern entwickelt. Es ist kontrovers, aber es gibt Leute, die schwören drauf.

Das Prinzip: Ein Wochenende Vollgas. Drei Tage lang kein Windel, keine Kompromisse. Volle Konzentration aufs Töpfchen.

Der Ablauf: Am Freitag Abend wird die letzte Windel ausgezogen. Samstag früh geht’s los: Alle 60 Minuten aufs Töpfchen setzen. Belohnungssystem – ticker für Erfolge, vielleicht eine kleine Süßigkeit. Viel trinken, damit die Blase arbeitet.

Wenn was passiert: große Party. Wenn nix passiert: einfach weiter.

Tag zwei und drei: Gleiches Schema, aber die Abstände werden größer. Wer es schafft, ist am Sonntag Abend vielleicht trocken.

Pro: Klingt verrückt, aber bei manchen Kindern klappt’s spektakulär. Es gibt dokumentierte Fälle von Drei-Tage-Durchbrüchen.

Kontra: Hoher Druck. Für sensible Kinder der absolute Horror. Das Kind geht nicht aus eigenem Antrieb aufs Töpfchen – s macht es für die Belohnung. Und wenn die Belohnung wegfällt, kommen oft Rückschläge.

Außerdem: Du brauchst drei freie Tage. Als Papa mit Job nicht immer realistisch.

Für wen? Eltern, die kurz vor der Verzweiflung stehen. Oder Kinder, die extrem reif sind und einfach den „Schubs“ brauchen. Für den Einstieg würd ich’s nicht empfehlen – her als Plan B, wenn Brazelton nach Monaten nicht zieht.

Ehrliche Meinung: Das 3-Tage-Programm ist wie eine Crash-Diät. Klappt selten spektakulär, aber die meisten landen im alten Muster, sobald der Alltag zurückkommt.

Methode 3: Der sanfte Mittelweg – mpfohlen für Papas

Das ist meine persönliche Empfehlung. Strukturierte Routine ohne Druck. Klingt nach Widerspruch – st es nicht. Der Mittelweg nimmt das Beste aus beiden Methoden: die Geduld von Brazelton und die Struktur von Fox & Azrin.

Phase 1 (Woche 1-2) – ennenlernen:

Dein Kind setzt sich angezogen aufs Töpfchen. Klingt sinnlos, ist aber wichtig: Es gewöhnt sich an das Gefühl, die Position, den Ort. Liest Bilderbücher zum Thema – #8222;Alle gehen aufs Klo“ von Marianne Fackelmann oder „Töpfchen-Zauber“ von Stefanie Pohlmann. Dein Kind begleitet dich aufs Klo – orbildfunktion ist das mächtigste Werkzeug, das du hast.

Das Töpfchen steht sichtbar im Wohnzimmer. Nicht wegräumen. Es soll normal werden.

Phase 2 (Woche 2-4) – ie Nackt-Popo-Phase:

Jetzt wird’s ernst. Täglich 30 bis 60 Minuten ohne Windel. Klingt nach einer Einladung zum Chaos – st aber der effektivste Lernmoment, den es gibt. Ohne Windel spürt das Kind genau, wann was passiert. Der Kälte-Effekt auf der Haut ist unmissverständlich.

Alle 60 bis 90 Minuten bietest du das Töpfchen an, ohne Druck. Setz das Kind drauf. Wenn’s freiwillig bleibt, super. Wenn es nach drei Sekunden wieder runter will: okay. Unfälle passieren – #8222;Passiert, beim nächsten Mal klappt’s.“ Kein Drama, keine Strafe, keine große Reinigungs-Aktion mit Gesichtsausdruck.

Phase 3 (Woche 4-8) – nterhosen-Zeit:

Dein Kind zeigt inzwischen selbst an. Es wird unruhig, fasst sich zwischen die Beine, sagt „pipi“ oder „aa“. Zeit für Unterhosen oder Trainingswindeln (Pants). Die Pants von DM oder Bipa sind gut – ie geben Sicherheit für die Eltern, während das Kind das Gefühl von „fast wie ohne“ hat.

Jetzt alle 60 Minuten erinnern: „Komm, wir gehen kurz zum Töpfchen.“ Nicht fragen, ob es will – ragen ist eine Einladung zum Nein-Sagen. Sagen: „Jetzt gehen wir kurz zum Töpfchen, dann spielst du weiter.“

Warum diese Methode funktioniert: Sie gibt Struktur, aber sie zwingt nicht. Dein Kind lernt in seinem Tempo, aber es gibt einen Rahmen. Kein wildes Herumprobieren, keine Druck-Attacken. Und sie ist realistisch für Papas, die nicht drei Tage Urlaub nehmen können, um auf ein Töpfchen zu starren.

Österreichische Besonderheiten

In Österreich läuft einiges anders als in Deutschland – nd das solltest du nutzen.

DM und Bipa haben regelmäßige Windel-Aktionen. Trainingswindeln (Pants) bekommst du dort oft 20 bis 30 Prozent günstiger, wenn du die Rabatt-Aktionen im Blick hast. Einfach die App runterladen und auf die Prospekte schauen.

IKEA-Töpfchen um 5 Euro. Ernsthaft. Das Ding ist stabil, einfach zu reinigen, farbenfroh. Die Marken-Töpfchen um 20 bis 30 Euro haben oft genau die gleiche Funktion – ur mit mehr Plastik und einem höheren Preis. Spar dir das Geld.

Die meisten österreichischen Kinderärzte empfehlen Start zwischen 2 und 3 Jahren. Früher anzufangen bringt nichts, später ist auch okay. Die österreichische Primärversorgung ist gut – ein Kinderarzt kennt die lokalen Gegebenheiten und kann dir spezifische Tipps geben.

Kurzer Reality-Check: Fang mit dem Mittelweg an. Das ist die Methode, bei der du und dein Kind am wenigsten leiden. Wenn dein Kind super entspannt ist, probier Brazelton – eine Geduld. Das 3-Tage-Programm heb dir als Plan B für später auf, wenn wirklich nix mehr geht. Kein Anfänger-Ding.

Drei Methoden des Töpfchentrainings im Vergleich als Infografik

Der Papa-Fahrplan – oche für Woche

Jetzt wird’s konkret. Die Methoden kennst du, die Anzeichen hast du gecheckt – ier kommt der eigentliche Fahrplan. Woche für Woche, Phase für Phase, kein Bullshit.

Der Plan geht von 9+ Wochen aus. Manche Kinder sind schneller, manche brauchen länger. Der Zeitplan ist eine Richtschnur, kein Gesetz. Wenn dein Kind in Woche 6 noch nicht in der aktiven Phase ist – öllig okay. Besser langsam und entspannt als schnell mit Druck.

Woche 1-2: Vorbereitungsphase – as Fundament legen

Ziel: Das Kind mit dem Konzept vertraut machen, ohne dass eine einzige Leistung erwartet wird.

In diesen zwei Wochen passiert noch kein „Training“ im eigentlichen Sinne. Du bereitest das Terrain. Dein Kind soll verstehen: Da ist dieses Ding, es gehört zu mir, große Leute benutzen so was.

Töpfchen-Beschaffung und Platzierung

Hol das Töpfchen und stell es sichtbar auf. Nicht im Bad verstecken – ns Wohnzimmer, ins Spielzimmer, dorthin wo das Kind sich aufhält. Es soll vertraut werden, kein Schreckgespenst sein.

Lass dein Kind auf dem Töpfchen sitzen angezogen. Mal für 10 Sekunden, mal für 2 Minuten. Kein Druck, nur Gewöhnung. Wenn es als Sitzgelegenheit für die Puppe oder den Teddy verwendet wird: Perfekt. Das ist Teil des Prozesses.

Bilderbücher als Türöffner

Hol dir eines oder zwei der Klassiker:

  • „Alle gehen aufs Klo“ von Marianne Borgardt – er unangefochtene Nummer-1-Titel bei Eltern
  • „Töpfchen-Zauber“ – pielerische Heranführung
  • „Lotta entdeckt die Welt: Auf dem Töpfchen“ – urze, einfache Szenen

Lies sie regelmäßig. Nicht als „Lernmaterial“, sondern als normales Vorlesebuch. Irgendwann zeigt dein Kind aufs Töpfchen und sagt das Wort. Das ist der erste kleine Sieg.

Die Gespräche führen

Sprich ganz natürlich übers Töpfchengehen. „Große Kinder machen aufs Klo. Mama und Papa machen auch aufs Klo. Du wirst das auch lernen.“ Nicht predigen, einfach einstreuen. Wie die Zähne putzen oder Schuhe anziehen – s gehört zum Alltag.

Papa-Geheimtipp: Mitnehmen aufs Klo

Nimm dein Kind mit, wenn du selbst aufs Klo gehst. „Schau, Papa setzt sich aufs Klo. Dann kommt Pipi.“ Kinder lernen durch Nachahmung, das ist neurologisch verbrieft. Dein Kind sieht: Das macht Papa auch.

Es ist normal. Es ist kein Drama.

Optional: Mach ein kleines Geräusch oder einen Spaß daraus. Humor entspannt die Sache enorm.

Was diese Woche nicht passieren sollte

  • Kein „Jetzt setz dich gefälligst hin!“
  • Keine Belohnungen fürs bloße Draufsetzen (das kommt später)
  • Kein Vergleich mit anderen Kindern („Die Emma aus der Krabbelgruppe macht schon“)
  • Keine nächtlichen Aktionen

Check für Woche 2 Ende: Dein Kind setzt sich ab und zu freiwillig aufs Töpfchen (auch nur für Sekunden). Es kennt die Bilderbücher und zeigt aufs Töpfchen. Das reicht völlig.

Woche 3-4: Einführungsphase – rste Kontakte ohne Druck

Ziel: Das Kind erlebt das Töpfchen als Teil des Tagesablaufs, aber ohne Leistungsdruck.

Jetzt wird’s etwas strukturierter. Aber Achtung: Der Ton macht die Musik. Deine Haltung ist entscheidend. Gelassenheit ist kein Nice-to-have, sondern die Grundvoraussetzung.

Feste Töpfchen-Zeiten etablieren

Führ vier regelmäßige Töpfchen-Zeiten am Tag ein:

  1. Direkt nach dem Aufstehen – ie Blase ist voll, die Erfolgswahrscheinlichkeit hoch
  2. Nach dem Frühstück – er Magen-Darm-Reflex arbeitet
  3. Nach dem Mittagessen – leicher Effekt
  4. Vor dem Schlafengehen – ls Ritual, nicht als Pflichtprogramm

Setz dein Kind für 2-3 Minuten aufs Töpfchen. Wenn nichts kommt: „Okay, dann später.“ Lächeln, weitergehen. Kein Seufzer, kein enttäuschter Blick.

Die Nackt-Popo-Zeit – er Game-Changer

Das ist der heimliche Star dieser Phase. Täglich 30-60 Minuten ohne Windel. Am besten auf einem waschbaren Boden oder mit einer abwaschbaren Unterlage.

Warum das so effektiv ist: Nur wenn das Kind spürt, was passiert, wenn es die Blase/den Darm entleert, kann es die Verbindung herstellen. „Ich mach jetzt Pipi → ich fühle es → es wird nass → ah, das ist das, worüber alle reden!“

Die Nackt-Popo-Zeit ist der größte Lerneffekt in der gesamten Sauberkeitserziehung. Studien zeigen: Kinder, die regelmäßig Zeit ohne Windel verbringen, verstehen das Konzept signifikant schneller.

Papa-Tipp für Praktiker: Mach die Nackt-Popo-Zeit zu einer Aktivität. Lies ein Buch, spielt am Boden, während das Kind nackt ist. Nicht daneben stehen und warten. Sei präsent, aber nicht fokussiert aufs Töpfchen.

Umgang mit den ersten Erfolgen

Wenn dein Kind ins Töpfchen macht: Ruhig bestätigen. „Super gemacht!“ reicht völlig. Kein Feuerwerk, kein „DU BIST DER BESTE!“, keine Fotos für Instagram. Zu viel Tamtam erzeugt Druck beim nächsten Mal – nd wenn dann nichts passiert, ist die Enttäuschung vorprogrammiert.

Wenn es auf den Boden macht (wird passieren): „Ist okay. Machen wir sauber.“ Kindliche Reaktionen sind ein Fenster in die Gefühlswelt des Kindes – utze sie, um den nächsten Schritt abzuschätzen.

Was in Woche 4 passiert sein sollte

  • Dein Kind akzeptiert die Töpfchen-Zeiten (auch wenn selten was kommt)
  • Es hatte mindestens 1-2 Erfolge im Töpfchen (auch nur Pipi)
  • Es zeigt selbst Interesse: deutet aufs Töpfchen oder sagt ein Wort dafür
  • Die Nackt-Popo-Zeit ist als Routine akzeptiert

Woche 5-8: Aktive Phase – er Durchbruch

Ziel: Tagsüber zunehmend ohne Windel auskommen, das Kind zeigt aktiv an.

Jetzt geht’s richtig los. Die ersten Wochen waren Vorbereitung und sanfte Einführung – etzt steigt ihr voll ein.

Kleidungs-Wechsel: Pants statt Windeln

Steig um von normalen Windeln auf Trainingswindeln (Pants). Der große Unterschied: Dein Kind kann sie selbst runter- und hochziehen. Das ist wichtig fürs selbstbestimmte Töpfchengehen.

Noch besser: Statt Pants kannst du auf Stoffunterhosen umsteigen, wenn dein Kind bereit wirkt. Der Nachteil: Mehr Wäsche. Der Vorteil: Dein Kind spürt sofort, wenn es nass wird – nd das ist der effektivste Lernanreiz überhaupt.

Der 60-Minuten-Rhythmus

Alle 60 Minuten das Töpfchen anbieten. Stell einen Timer. Dein Kind muss nicht jedes Mal gehen, aber das regelmäßige Angebot etabliert die Routine.

Hier eine bewährte Taktik: „Wir gehen jetzt Töpfchen schauen.“ Klingt bescheuert, funktioniert aber. Es nimmt den Druck raus, weil es nicht ums „Machen“ geht, sondern ums „Schauen“.

Wie du Erfolge richtig feierst

Mein System:

  • Erfolg aufs Töpfchen: Ruhiges „Super, du hast Pipi aufs Töpfchen gemacht!“ + High-Five
  • Selbst angesagt und geschafft: „Wow, das hast du ganz allein gemerkt!“ – as ist die Königsklasse
  • Unfall: „Passiert. Nächstes Mal klappt’s besser.“ – hne Drama, ohne Strafe, ohne lange Diskussion

Du wirst merken: Dein Kind wird stolzer auf seine Erfolge sein, wenn du ruhig und bestätigend reagierst, als wenn du jedes Mal die Konfetti-Kanone auspackst.

Unfälle als Lernchance

Unfälle sind kein Scheitern – ie sind Feedback. Wenn dein Kind ständig in die Hose macht, sagt dir das eine von zwei Sachen:

  1. Es ist noch nicht bereit (körperlich oder kognitiv)
  2. Du bietest zu selten an oder verpasst die Signale

Das erste ist häufiger, als Eltern glauben. Wenn nach 2-3 Wochen aktiver Phase keine Fortschritte sichtbar sind: Einfach eine Woche Pause machen. Zurück zu Woche 1-2. Kein Drama. Der Körper deines Kindes ist kein Sprint.

Die Signale deines Kindes lernen

Am Ende dieser Phase kennst du dein Kind besser als jeder Ratgeber:

  • Der typische „Ich muss“-Gesichtsausdruck
  • Die bestimmte Körperhaltung
  • Das unruhige Hin- und Herwippen
  • Das plötzliche Verstummen beim Spielen

Das alles sind Zeichen, dass dein Kind den Zusammenhang versteht. Wenn es selbst kommt und sagt „Pipi/Töpfchen“ – ist du in der Zielgeraden der aktiven Phase.

Woche 9+: Konsolidierung – elbstbestimmt trocken

Ziel: Das Kind managt sein Töpfchengehen weitgehend selbst. Kein regelmäßiges Angebot mehr nötig.

Der Übergang zu normaler Unterwäsche

Ab jetzt normale Unterwäsche (oder Stoffunterhosen) tagsüber. Windeln nur noch für:

  • Mittagsschlaf (wenn nötig)
  • Lange Autofahrten (auf Nummer sicher)
  • Nachts (dazu gleich mehr)

Dein Kind zeigt jetzt meist selbstständig an. Es geht zum Töpfchen, zieht die Hose runter, setzt sich und macht – anchmal mit Erinnerung, manchmal ganz allein.

Unterstützung runterfahren

Du musst nicht mehr alle 60 Minuten erinnern. Stattdessen:

  • Erinnere nur noch zu üblichen Zeiten (vor/nach Mahlzeiten, vor dem Ausgehen)
  • Vertraue darauf, dass dein Kind Bescheid sagt
  • Behalte die Unterwäsche im Auge: Wenn dein Kind übergangsweise öfter Unfälle hat, geh wieder auf den 60-Minuten-Rhythmus zurück

Nacht-Trockenheit – as große Thema

Lass mich das klar sagen: Nächtliche Trockenheit ist NICHT trainierbar. Sie kommt, wenn das Hormon ADH (antidiuretisches Hormon) ausgereift ist. Das passiert bei jedem Kind anders.

15% aller 5-Jährigen sind noch nicht nächtlich trocken. 15%! Das ist kein Problem, keine Entwicklungsverzögerung, kein Grund zur Sorge. Es ist normale biologische Variation.

Was du tun kannst:

  • Nichts. Wirklich. Bettschutzauflage drauf, Windel oder Schutzhose an, weiterleben.
  • Wenn das Kind morgens trocken ist – -4 Nächte hintereinander – ann Windel weglassen und eine waschbare Auflage benutzen.

Nächtliches Wecken zum Töpfchen? Bringt forschungsgestützt kaum etwas und stört den Schlaf. Lass dein Kind schlafen.

Meine Erfahrung als Abschluss

Ich will dir nichts vormachen: Unser Kind war mit 2 Jahren und 8 Monaten tagsüber trocken. Nächtens hat es bis 4 Jahre und 2 Monate gedauert. Und in der Zwischenzeit gab es:

  • Eine Phase, wo plötzlich 2 Wochen lang jeden Tag Unfälle waren (krankheitsbedingt)
  • Einen Rückschritt nach der Geburt des Geschwisterchens
  • Eine Trotzphase, wo das Kind bewusst auf den Boden statt ins Töpfchen gemacht hat
  • Drei verschiedene Töpfchen, zwei WC-Aufsätze und eine Unmenge an gewaschener Unterwäsche

Am Ende war es trocken. Wie alle Kinder. Wie deins auch.

Der größte Fehler, den ich gemacht habe: Mich mit anderen vergleichen. Die Nachbarin, deren Tochter mit 22 Monaten trocken war. Der Instagram-Papa mit dem 18-Monate-Wunderkind. Vergiss das alles. Dein Kind macht seinen eigenen Weg – nd du bist genau der richtige Begleiter dafür.

Das Takeaway: Starte vorbereitet (Woche 1-2), führ sanft ein (Woche 3-4), geh aktiv rein (Woche 5-8), und vertrau dann auf die Konsolidierung (Woche 9+). Gib deinem Kind Zeit, dir Ruhe, und vergleich dich mit niemandem. Es wird klappen. Versprochen.

Der große Papa-Vorteil – arum Väter oft die besseren Töpfchen-Trainer sind

Hier kommt etwas, das kaum einer laut sagt, obwohl es alle wissen: Väter haben beim Töpfchentraining einen echten Heimvorteil. Kein Blödsinn, kein Klischee – as ist meine Erfahrung nach Monaten voller Pipi-Pfützen und stolzer Töpfchen-Momente.

Weniger Druck, mehr Gelassenheit

Mütter haben statistisch gesehen mehr (oft ungefragte) Beratung von Oma, Freundinnen, Hebamme, Instagram. „Mit 18 Monaten war dein Bruder schon trocken!“, „Meine Tochter hat mit 2 keine Windel mehr gebraucht.“ Das nagt. Das setzt unbewusst unter Druck.

Väter? Die kriegen meistens „Na dann mal viel Erfolg!“ und werden in Ruhe gelassen.

Und das ist genau der Vorteil: Weniger Erwartungsdruck von außen bedeutet weniger Druck nach innen. Weil ich nicht das Gefühl hatte, dass alle auf meinen Erfolg schauen, hab ich dem Kind mehr Raum gelassen. Und das Kind hat’s gespürt. Ein entspannter Papa = ein entspanntes Kind = weniger Pipi-Pfützen auf dem Wohnzimmerteppich.

Spielerischer Ansatz – atürlich, nicht gezwungen

Papas neigen dazu, aus allem ein Spiel zu machen. Ob das Fläschchen-Vorbereiten, der MTB-Ausflug oder der nächste ARK-Dino-Zähmversuch – ir suchen den Spaß. Beim Töpfchentraining ist das Gold wert.

Bei uns hat’s am besten funktioniert, als ich den Ablauf locker genommen hab: „Schau mal, ob der Teddy auch aufs Töpfchen muss“, Zielwerfen mit Pfefferminz-Bonbons (ja, für Buben), der „Pipi-Break-Countdown“ beim gemeinsamen Spielen. Kein militärischer Drill, sondern ein: „Hey, lass mal kurz Pause machen und dann geht’s weiter.“

Das Kind liebt das. Es fühlt sich nicht wie Training an, sondern wie Spielen mit Papa.

Die Papa-Toiletten-Zeit als echtes Ritual

Das ist mein absoluter Favorit unter den Papa-Vorteilen: Gemeinsam aufs Klo gehen. Klingt seltsam, ist aber Gold.

Ich hab früh angefangen, mein Kind mit ins Bad zu nehmen, wenn ich selbst musste. Erzählt, was ich mache, warum ich das mache. „Papa macht jetzt Pipi, dann bist du dran.“ Das normalisiert den ganzen Prozess total. Kein „auf’s Klo gehen“ als riesiges Event, sondern einfach als Teil des Alltags.

Nach ein paar Wochen hat’s mich dann umgekehrt begleitet. „Komm, wir gehen zusammen Töpfchen!“ – nd plötzlich war es kein Kampf mehr, sondern ein Ritual. Zwei Minuten Quality-Time auf dem Klo. Reden, Witze machen, Abspiele.

Diese Momente sind mehr als Töpfchentraining. Das sind Bindungsmomente. Und das ist etwas, das keine Methode der Welt ersetzen kann.

Die größten Probleme & wie du sie löst

Jetzt zum praktischen Teil. Denn irgendwann läuft’s schief. Bei jedem. Und dann hilft nur: wissen, was zu tun ist.

1. „Ich will nicht!“ – erweigerung und Machtkämpfe

Das klassische Problem. Kind sitzt auf dem Topf, Presse auf der Toilette, und es passiert . ichts. Oder noch schlimmer: Das Kind sagt explizit „Nein!“ und weigert sich, überhaupt in die Nähe des Töpfchens zu gehen.

Ursache fast immer: Das Kind spürt Druck und will die Kontrolle zurück. Die Sauberkeitserziehung ist einer der ersten Bereiche, wo Kinder echte Autonomie haben – nd sie nutzen das knallhart aus. Je mehr du willst, desto mehr verweigert es.

Was wirklich hilft:

  • 2-4 Wochen Pause. Ja, ganz aussetzen. Töpfchen wegräumen, Windeln wieder an, nicht drüber reden. Klingt nach Rückschritt, ist aber ein Befreiungsschlag. Nach 2-3 Wochen neu starten – eist klappt’s dann.
  • Die Machtfrage entschärfen: „Okay, dann warten wir, bis du bereit bist.“ Diesen Satz musst du wirklich ernst meinen. Kinder haben einen unfassbar guten Bullshit-Detektor. Wenn du es nicht ernst meinst, spüren sie das und der Machtkampf geht weiter.
  • Kein Belohnungssystem bei Verweigerung: Süßigkeiten oder Sticker fürs Töpfchen-Gehen können den Druck sogar verstärken. Besser: Erfolge ruhig anerkennen, Verweigerung ignorieren.

Mein Take: Verweigerung ist kein Scheitern. Es ist eine Ansage deines Kindes: „Ich brauch noch Zeit.“ Nimm sie dir.

2. Unfälle in der Öffentlichkeit – er österreichische Klassiker

Du bist im Park, im Einkaufszentrum oder beim Heurigen – nd plötzlich sagt das Kind „Pipi!“. Du hast keine Ahnung, wo das nächste Klo ist, der Weg dahin dauert 5 Minuten, und du weißt genau: In 30 Sekunden ist es passiert.

Vorbereitung ist alles:

  • Wechselkleidung immer dabei. Und zwar nicht nur eine Hose. Zwei Paar. Inklusive Socken. Ein vollgepieseltes Kind auf dem Weg zum Auto ohne Ersatz-Socken ist kein Spaß – laub mir.
  • Reisetöpfchen fürs Auto. Ein kleines, zusammenklappbares Töpfchen (IKEA hat eins für ~3 Euro) rettet dir den Tag. Kind auf den Parkplatz, Töpfchen drauf, Problem gelöst. Klingt improvisiert? Ist es auch. Aber es funktioniert.

Österreich-Spezial (kannst du dir merken):

  • DM & BIPA: Die meisten Filialen haben Wickelräume, oft sogar kleine Kinder-WCs. Sauber, kostenlos, verlässlich.
  • Raststationen: Die familienfreundlichen (z.B. Rosenberger, Landzeit) haben meist Wickelräume mit kleinem Klo. Frag einfach an der Info.
  • Museen & Freibäder: Haben fast immer Kinder-WCs. Das Wiener Haus des Meeres ist top, ebenso das Zoom Kindermuseum.
  • Notfall-Kit: Feuchttücher, Müllbeutel (für die nasse Kleidung), Ersatzhose. Leg’s ins Auto und vergiss es – is du’s brauchst.

Papa-Tipp: Sag „Passiert.“ Nicht „Macht nichts.“ Denn für ein Kind ist ein Unfall oft ein kleiner Schock. „Passiert“ normalisiert es, ohne die Situation runterzuspielen. Dann Hose wechseln, Hände waschen, weitermachen.

3. Rückschläge nach Erfolgen – as fiese Phänomen

Das Kind war eine Woche lang trocken. Du hast schon angefangen zu glauben, dass du’s geschafft hast. Und dann – äm – rei Unfälle an einem Tag. Das Gefühl: Du bist wieder auf Null. Die ganze Arbeit umsonst.

Realität: Über 80% aller Kinder haben Rückschläge. Es ist kein Scheitern. Es ist ein normaler Teil des Prozesses.

Häufige Auslöser:

  • Umzug oder Urlaub
  • Geschwisterchen (neidbedingter Rückschritt)
  • Kitastart oder umgekehrt Kitastress
  • Krankheit (vor allem Fieber oder Magen-Darm)
  • Zahnung (schmerzbedingte Ablenkung)

Was tun:

  • Keine Bestrafung. Ernsthaft nicht. Bestrafung bei Unfällen ist der schnellste Weg zu langfristigen Problemen.
  • Kurzzeitige Windel-Rückkehr: Gib dem Kind 1-3 Tage Windel, wenn’s akut ist. Das entlastet beide Seiten. Danach entspannter Neustart.
  • Ursache checken: Liegt’s am Stress oder ist es wirklich ein Trainingsproblem? Wenn’s am Stress liegt, Windel für eine Woche und dann neu probieren.

Meine Erfahrung: Unser größter Rückschlag war nach einem Krankenhaus-Aufenthalt wegen einer Mittelohr-Entzündung. Drei Wochen alles wieder auf null. Mein Hirn: „Scheiße, alles umsonst.“ Realität: Zwei Wochen später war’s vorbei und er war trockener als je zuvor. Rückschläge sind keine Reset-Knöpfe. Sie sind Stolpersteine – arüber steigt man drüber.

4. Verstopfung und Schmerzen – enn’s weh tut

Das unterschätzte Problem. Wenn das Kind beim Töpfchen Schmerzen hat (harter Stuhlgang, Verstopfung) – ann wird es natürlich nicht mehr freiwillig gehen. Selbst wenn es tagsüber klappt, wird es vermeiden.

Woran erkennst du’s:

  • Kind drückt sichtbar, aber nichts kommt
  • Harte, kleine Stuhl-Kügelchen (Schafskot)
  • Kind krümmt sich beim Versuch
  • Blut am Toilettenpapier (kleine Einrisse)

Lösungen von einfach bis professionell:

  1. Mehr trinken: Wasser und ungesüßter Tee statt Saft. Dehydration macht den Stuhl hart.
  2. Ballaststoffreiche Ernährung: Trockenfrüchte (Feigen, Datteln, Zwetschken), Vollkornbrot, Haferflocken, Birnen. Unser Trick: Müsli mit Leinsamen und Apfelmus – irkt sanft und schmeckt.
  3. Bewegung: Rumtoben regt die Verdauung an. Tut nicht nur dem Darm gut, sondern auch der Laune.
  4. Arzt aufsuchen: Bei anhaltender Verstopfung (3+ Tage ohne Stuhlgang, Schmerzen, Blut) ab zum Kinderarzt. In Österreich ist die Primärversorgung gut – ein Kinderarzt hilft schnell. Frag nach Movicol oder Lactulose, falls nötig.

Kein Druck bei Verstopfung: Wenn das Kind Schmerzen verbindet mitm Töpfchen, mach eine Woche Pause. Danach vorsichtig neu starten. Der Darm muss sich zuerst beruhigen, bevor das Training weitergeht.

5. Nacht-Trockenheit – enn’s einfach nicht klappt

Das Thema, das viele Eltern verzweifeln lässt. Das Kind ist tagsüber perfekt trocken, aber nachts wird die Windel jeden Morgen voll. Oder: Es ist schon ein paar Nächte trocken und dann wieder nicht. Du fragst dich: Mach ich was falsch? Hab ich was verpasst?

Die kurze, ehrliche Antwort: Nein. Nacht-Trockenheit ist hormonell bedingt – u kannst sie nicht trainieren.

Der Mechanismus: Ein Hormon namens ADH (antidiuretisches Hormon) fährt nachts die Urinproduktion runter. Dieses Hormon reift bei jedem Kind anders. Manche haben’s mit 2, manche mit 5 oder 6. Das ist kein Trainingserfolg oder -versagen – as ist Biologie.

Harte Fakten:

  • 15% aller 5-Jährigen sind nachts noch nicht trocken
  • 5% aller 7-Jährigen haben noch nächtliches Einnässen
  • Das ist medizinisch völlig normal, solange das Kind tagsüber trocken ist und keine Schmerzen hat

Was wirklich hilft:

  • Bettschutzauflage: Die beste 20-Euro-Investition deines Lebens. Schützt die Matratze, reduziert deinen Stress auf null.
  • Nächtliches Wecken bringt wenig: Studien zeigen, dass Kinder, die nachts zum Töpfchen geweckt werden, nicht schneller trocken werden. Sie sind nur müder. Lass das Kind schlafen.
  • Trinkmenge vor dem Schlafen reduzieren: Letztes großes Getränk 1 Stunde vor dem Schlafen, dann nur noch kleine Schlucke.
  • Kein Druck: „Du bist jetzt groß, du musst nachts trocken sein“ ist kontraproduktiv. Besser: „Nachts passiert’s halt noch. Irgendwann klappt’s.“

Mein Tipp: Wir haben nie nachts trainiert. Wir haben abgewartet. Mit 4 hat’s plötzlich geklappt – ber Nacht, ohne unser Zutun. Davor war monatelang alles nass.

Und jetzt? Jetzt ist alles trocken. Also wirklich: Geduld ist hier die einzige Strategie, die funktioniert.


Abschlussgedanke:

Kein Ablauf, keine Methode, kein Trick ersetzt das Wichtigste: Du als Papa, in dem Moment, mit deinem Kind. Wenn du gelassen bleibst, Rituale schaffst und Probleme als Teil des Weges akzeptierst, dann klappt’s. Vielleicht nicht heute. Vielleicht nicht diese Woche. Aber irgendwann. Versprochen.

Töpfchentraining-Checkliste für Papas

Töpfchentraining und Kitastart – ein Widerspruch

Eine der häufigsten Fragen, die mir andere Papas gestellt haben: „Soll ich warten, bis mein Kind trocken ist, bevor es in die KiTa kommt?“

Kurze Antwort: Nein. Musst du nicht.

Jede KiTa in Österreich hat ihre eigenen Richtlinien, aber die meisten sind darauf eingestellt, Kinder auch in der Windelphase aufzunehmen und den Prozess parallel zu begleiten. Frag einfach vorher nach – as ist ein normales Gespräch, kein Eingeständnis von „Versagen“. In vielen Einrichtungen gehört die Sauberkeitserziehung zum pädagogischen Alltag dazu. Die Erzieher:innen haben da Routine.

Was viele nicht erwarten: Die Gruppendynamik in der KiTa kann sogar helfen. Dein Kind sieht, dass die anderen aufs Klo gehen, will mitmachen, fühlt sich „groß“. Ich hab das selbst erlebt – ei uns hat der KiTa-Start den entscheidenden Schub gegeben.

Das solltest du vorher klären:

  • Haben sie ein Kinder-WC oder einen WC-Aufsatz?
  • Dürfen die Kinder selbstständig gehen oder müssen sie Bescheid sagen?
  • Gibt es feste Toiletten-Zeiten?
  • Sollen wir Trainingswindeln oder Stoffhosen mitgeben?

Was Bring-Kleidung angeht: Setz auf Hosen mit Gummizug. Nichts ist frustrierender als eine Body-Druckknopf-Orgie, wenn’s pressiert. Zwei Garnituren Wechselkleidung in der KiTa-Tasche sind der Standard – esser drei.

Warte nicht auf perfekte Trockenheit. Viele KiTas nehmen Kinder auch mit Windeln. Und wenn dein Kind nach dem KiTa-Start plötzlich Rückschritte macht? Kein Drama, das ist normal.

Neue Umgebung, neue Regeln, neue Bezugspersonen – as kostet Nerven. Auch beim Töpfchen.

Vier Mythen, die du getrost vergessen kannst

Es kursiert so viel Halbwissen übers Töpfchentraining, dass ich am liebsten ein eigenes Dementi-Magazin aufmachen würde. Hier die vier hartnäckigsten Irrtümer:

„Früh übt sich.“ Klar klingt das schlau. Aber Sauberkeitserziehung ist kein Sport, den man durch frühes Training gewinnt. Fängst du vor 18 Monaten an, dauert der Prozess im Schnitt über ein Jahr. Startest du zwischen 24 und 30 Monaten, sind es meist 3 bis 6 Monate.

Das ist keine Charakterfrage – as ist Entwicklungsbiologie. Die Blase und das Nervensystem müssen einfach reif sein, fertig.

„Jungs sind später dran als Mädchen.“ Stimmt als Durchschnittswert, aber der sagt über dein Kind genau gar nichts aus. Die Streuung ist riesig. Ich kenn Mädchen, die mit 3,5 noch nicht trocken waren, und Buben, die mit 2,5 durch waren. Dein Kind ist kein statistischer Mittelwert. Hör auf zu vergleichen.

„Nachts trocken sein kommt direkt nach tagsüber trocken.“ Das ist so ziemlich der häufigste Fehlglaube. Nacht-Trockenheit ist hormonell gesteuert – as Hormon ADH, das die Urinproduktion nachts drosselt, reift unabhängig von der Blasenkontrolle. Viele Kinder sind monatelang tagsüber trocken und brauchen nachts noch Windeln. Mit 4 oder 5 Jahren ist das noch völlig normal.

„Windelfrei ist die einzig natürliche Methode.“ Es gibt keine robuste Evidenz, dass Windelfrei-Kinder früher oder nachhaltiger trocken werden als Kinder, die entspannt mit 2 bis 3 Jahren starten. Das ist eine Familienentscheidung, kein Wettbewerb. Mach, was für euch passt, und lass dir kein schlechtes Gewissen einreden.

Töpfchen-Checkliste für startbereite Papas

Bevor du loslegst, hier eine kurze Liste . icht zum Abhaken unter Druck, sondern als Orientierung:

  • ✅ Kind zeigt Interesse am Klo oder Töpfchen
  • ✅ Bleibt 2+ Stunden am Stück trocken
  • ✅ Versteht einfache Anweisungen
  • ✅ Hat ein Töpfchen oder einen WC-Aufsatz griffbereit
  • ✅ Gummizug-Hosen statt Bodies bereitgelegt (Riesen-Unterschied!)
  • ✅ Mindestens drei Garnituren Wechselkleidung parat
  • ✅ Mental eingestellt auf 3 bis 6 Monate Prozess , kein Sprint
  • ✅ Partner:in abgestimmt: gleiche Strategie, gleiche Ruhe
  • ✅ Bettschutzauflage besorgt (für die Nacht-Phase)

Ein Haken pro Punkt reicht. Du musst nicht perfekt sein, nur bereit.

FAQ , die drei Fragen, die ich am häufigsten höre

Mein Kind verweigert das Töpfchen komplett , was jetzt? Zwei Wochen Pause. Kein Druck, kein Anbieten, kein Drama. Danach nochmal entspannt starten. Die allermeisten Kinder kommen nach einer Pause von ganz allein.

Wenn die Verweigerung nach der Pause anhält: Nochmal zwei Wochen warten. Ernsthaft. Das ist kein Wettrennen.

Soll ich mein Kind nachts wecken, damit es aufs Töpfchen geht? Forschungsgestützt bringt das wenig bis nichts. Die nächtliche Blasenkontrolle kommt mit der Reifung des ADH-Hormons , das lässt sich nicht „trainieren“. Leg lieber eine Bettschutzauflage auf und warte ab. Dein Kind schläft besser, du schläfst besser, alle gewinnen.

Unser Kind ist 3,5 und noch nicht trocken , ist das ein Problem? Das ist eine normale Variation. Medizinisch spricht man erst ab dem 5. Lebensjahr von „Enuresis“, wenn keine Trockenheit erreicht ist. Nur abklären lassen solltest du es, wenn dein Kind Schmerzen hat, sich extrem verweigert oder nach bereits erreichter Trockenheit plötzlich einen massiven Rückschritt macht.

Mein Fazit

Wenn ich dir nur einen Satz mitgeben könnte, dann diesen: Sauberkeitserziehung ist ein Prozess, kein Event.

Kein Kind geht mit 18 ungetrocknet zur Schule. Es kommt immer. Wirklich immer. Du musst es nicht erzwingen, du musst nicht die richtige Methode finden, du musst nicht früher anfangen als die Nachbarn. Du musst nur bereit sein, wenn dein Kind bereit ist.

Deine Papa-Superpower ist nicht die perfekte Technik oder das teuerste Töpfchen. Es ist Gelassenheit. Kinder spüren, ob du entspannt bist oder verkrampft. Und sie reagieren darauf.

Also: Töpfchen hinstellen, bereit sein, lächeln. Der Rest kommt von selbst.

Welche Methode hat bei euch funktioniert? Oder welcher Mythos hat euch am meisten verunsichert? Schreib’s in die Kommentare , ich bin gespannt auf eure Erfahrungen. Und falls du noch ganz am Anfang stehst: Atmen.

Durchatmen. Dann Töpfchen kaufen. Das schaffst du.

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