Blähungen & Dreimonatskolik beim Baby: Papa-Guide

3. Oktober 2026 · Allgemein
Vater hält sein Baby im Fliegergriff – Bauchlage auf dem Unterarm, der Kopf ruht gestützt in der Armbeuge

Es ist 19:40. Du hast den Laptop zugeklappt, das Baby im Arm, und plötzlich geht es los. Erst ein Quengeln, dann ein richtiges Brüllen, und du stehst in der Küche und denkst dir: Was mache ich falsch? Kurze Antwort: nichts. Blähungen Baby und die sogenannte Dreimonatskolik treffen fast jede Familie, in der ein Säugling zwischen null und vier Monaten lebt. Du bist nicht zu blöd, und das Baby ist nicht kaputt.

Dieser Papa-Guide ist für genau diesen Moment geschrieben. Für den Feierabend-Papa, der das schreiende Bündel übernimmt, während die Partnerin endlich duschen kann. Wir schauen uns an, was Blähungen beim Baby wirklich sind, was hinter dem veralteten Begriff Dreimonatskolik steckt, und welche Handgriffe tatsächlich helfen: Fliegergriff, Bauchmassage, Fahrradfahren mit den Beinchen, Bäuerchen. Alles Schritt für Schritt, ohne Wundermittel-Versprechen.

Ehrlich vorweg, weil das der wichtigste Satz dieses Artikels ist: Die genaue Ursache dieser Schreiphasen ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es gibt kein Medikament, das die Kolik wegzaubert. Was es gibt, sind gute Techniken, eine klare Einordnung, und Warnzeichen, bei denen du sofort zum Arzt gehst. Genau darum geht es hier.

Was ist die „Dreimonatskolik“ wirklich?

Der Begriff Dreimonatskolik ist in der Medizin weitgehend veraltet, auch wenn ihn im Alltag fast alle benutzen. Er klingt nach einer sauberen Diagnose, ist aber nur eine Beschreibung. Heute sprechen Kinderärztinnen und Kinderärzte von exzessivem Schreien oder von einer frühkindlichen Regulationsstörung. Der Kern: Ein gesundes Baby schreit sehr viel mehr, als Eltern aushalten können, und niemand findet eine körperliche Ursache.

Die 3-3-3-Regel (Wessel-Kriterium)

Die klassische Definition stammt von Morris Wessel aus dem Jahr 1954 und wird bis heute zitiert. Sie wird auch Wessel-Kriterium genannt: mehr als drei Stunden Schreien pro Tag, an mehr als drei Tagen pro Woche, über mehr als drei Wochen. Und zwar bei einem ansonsten gesunden Baby mit guter Gewichtszunahme und ohne organische Ursache.

Die 3-3-3-Regel ist keine Diagnose, sondern eine Schwelle. Sie hilft dir einzuschätzen, ob die Schreiphasen im normalen Rahmen liegen oder ob es mehr ist. Wenn dein Baby also zwei Stunden am Abend unruhig ist, ist das anstrengend, aber kein Grund zur Panik. Wenn es täglich über drei Stunden schreit und kaum zu beruhigen ist, solltest du das ärztlich abklären lassen.

Wie verbreitet ist das, und wie lange dauert es?

Etwa 10 bis 20 Prozent aller Säuglinge sind betroffen. Die Schreiphasen beginnen meist in der zweiten Lebenswoche, erreichen ihren Höhepunkt rund um die sechste Woche und werden danach Schritt für Schritt kürzer. Bei den meisten Babys ist die Sache bis zum dritten oder vierten Lebensmonat vorbei. Das ist der Grund, warum sich der alte Name Dreimonatskolik so hartnäckig hält, auch wenn er die Realität nur teilweise trifft.

Die modernen Rome-IV-Kriterien aus dem Jahr 2016 haben das Wessel-Kriterium in der Forschung weitgehend abgelöst. Sie beschreiben es so: ein Baby unter fünf Monaten, das ohne erkennbaren Grund wiederkehrend lange schreit, das die Eltern nicht beruhigen können, aber normal gedeiht, kein Fieber hat und nicht krank ist. Die AWMF-Leitlinie 028-041 aus dem Jahr 2024/2025 ordnet das Ganze als Regulationsstörung ein. Ihr Fazit ist ernüchternd und ehrlich zugleich: Es gibt keine kausale Therapie. Die Beschwerden sind selbstlimitierend. Es geht ums Begleiten, Beruhigen und Abklären.

Für dich als Papa heißt das: Du kannst die Kolik nicht abstellen. Aber du kannst sehr viel dafür tun, dass die Abende erträglicher werden. Und du kannst sicherstellen, dass nichts Körperliches übersehen wird.

Blähungen Baby: Warum der kleine Bauch wirklich rumort

Blähungen sind bei Säuglingen normal, und meist steckt eine Mischung aus mehreren Dingen dahinter. Drei Erklärungen tauchen in der Forschung immer wieder auf, und alle drei sind Reifungsgeschichten. Keine davon bedeutet, dass du etwas falsch machst.

Der unreife Darm

Der Darm eines Neugeborenen arbeitet noch nicht rund. Die Enzyme, die Milchzucker und Fette aufspalten, sind noch nicht in voller Stärke da, und die Bewegung des Darms ist noch unkoordiniert. Unverdaute Milchbestandteile landen im Dickdarm, werden dort von Bakterien vergoren, und dabei entstehen Gase. Das drückt, zwickt und macht den Bauch hart. Je reifer das Verdauungssystem wird, desto besser läuft es. In den ersten drei bis vier Monaten verändert sich hier extrem viel.

Luftschlucken (Aerophagie)

Beim Trinken schlucken Babys Luft, das nennt man Aerophagie. Besonders bei hastigem Trinken, wenn der Mund nicht sauber saugt, oder wenn der Flaschensauger nicht zur Größe passt. Auch beim Schreien selbst kommt Luft in den Bauch. Gestillte Babys sind davon oft etwas weniger betroffen, weil die Brust das Tempo besser reguliert. Ein gutes Bäuerchen nach dem Füttern macht hier richtig viel aus. Übrigens: Eine Ernährungsumstellung der stillenden Mutter bringt in den meisten Fällen wenig. Das ist keine Baustelle für dich, und das ist auch keine Schuldfrage.

Das Mikrobiom

Bei der Geburt ist der Darm eines Babys noch nahezu steril, die Besiedlung mit Bakterien passiert erst danach. Forscher beobachten, dass Babys mit vielen Blähungen oft weniger Bifidobakterien und Laktobazillen haben und mehr gasbildende Bakterien. Kaiserschnitt, Antibiotika und die Ernährung spielen dabei eine Rolle. Aber hier muss man ehrlich sein: Die genauen Zusammenhänge sind nicht vollständig geklärt, und warum manche Babys deutlich mehr leiden als andere, weiß die Wissenschaft noch nicht abschließend. Die Mechanismen sind ein aktives Forschungsfeld. Was man sagen kann: Mit der Reifung des Darms bessert es sich fast immer von selbst.

Sanfte Maßnahmen, die immer wieder empfohlen werden, sind Bauchmassage, Beinchen-Gymnastik, eine aufrechte Haltung nach dem Füttern und das Tragen im Tuch. Dazu weiter unten mehr, Schritt für Schritt.

Baby schreit abends: Die Abend-Schreiphase verstehen

Der Klassiker sieht so aus: Der Tag war okay, das Baby war zufrieden, und ab dem späten Nachmittag kippt die Stimmung. Es quengelt, wird unruhig, zieht die Beinchen an, drückt den Bauch weg und schreit. Diese Schreiphasen beginnen typischerweise nachmittags oder früh abends und können bis in die Nacht dauern. Das ist bei praktisch allen Säuglingen ähnlich angelegt, nur die Menge unterscheidet sich. Man nennt das die Abend-Schreiphase, und sie ist ein Entwicklungsphänomen, kein Zeichen von Vernachlässigung.

Wichtig für dein Kopfkino: Wenn der Bauch beim Schreien hart und aufgebläht wirkt, ist das häufig die Folge des Schreiens und nicht immer die Ursache. Beim Brüllen werden Luft und Anspannung in den Bauch gepumpt. Wenn du also denkst, das Baby schreit, weil es Blähungen hat, und dann feststellst, dass es die Blähungen vom Schreien hat, dann liegst du gar nicht so falsch. Beides hängt zusammen, beides verstärkt sich gegenseitig.

Ein Erste-Hilfe-Mindset fürs Papa-Hirn hilft mehr als jedes Gadget. Geh die Liste der Reihe nach durch: Hunger? Windel voll? Müde oder überreizt? Zu warm, zu kalt? Wenn die grundlegenden Dinge abgehakt sind und das Baby trotzdem schreit, dann ist es wahrscheinlich diese Phase. Du musst sie nicht „lösen“. Du musst nur da sein, ruhig bleiben und das Baby begleiten.

Fliegergriff Baby: Schritt für Schritt (plus Sicherheit)

Der Fliegergriff ist der Klassiker unter den Beruhigungshilfen, und viele Hebammen zeigen ihn schon in den ersten Tagen. Die Idee ist einfach: Das Baby liegt bäuchlings auf deinem Unterarm, der Bauch bekommt sanften Druck, der enge Körperkontakt beruhigt. Für Babys mit Blähungen ist das oft die schnellste Hilfe, die du mit bloßen Händen hinbekommst.

So geht der Fliegergriff

  1. Starte im vertrauten Wiegegriff oder mit dem Baby an der Schulter. Beides ist stabil und gibt dir Kontrolle.
  2. Lass das Baby kontrolliert auf deinen Unterarm gleiten, bis der Kopf in deiner Armbeuge liegt und dort gestützt wird.
  3. Der Bauch ruht jetzt auf dem Unterarm. Halte das Baby eng an deinem Körper, damit es sich sicher fühlt.
  4. Greif mit dem haltenden Arm zwischen den Beinchen durch und umschließe den äußeren Oberschenkel. Bei ganz kleinen Babys stützt du besser mit beiden Armen.
  5. Halte den Arm waagerecht und nah am Körper. Arme und Beine hängen locker seitlich herunter. Wechsle die Seiten regelmäßig.

Für ganz kleine Babys gibt es eine Variante: Statt in der Armbeuge liegt der Kopf in deiner Hand, die Beinchen neben dem Ellenbogen. Beides funktioniert, nimm das, womit du dich sicherer fühlst. Ein angenehmer Nebeneffekt: Der Fliegergriff ist nebenbei gutes Training für die Nackenmuskulatur und eine milde Form von Bauchlage im Wachzustand.

Sicherheitsregeln, die nicht verhandelbar sind

  • Kopf immer stützen. Solange die Nackenmuskulatur schwach ist, meist in den ersten drei bis vier Monaten, darf der Kopf nie ungestützt hängen.
  • Eng an den Körper halten und das Baby leicht zu dir kippen.
  • Eine Hand umfasst den äußeren Oberschenkel, bei ganz Kleinen besser beide Arme.
  • Nicht direkt nach dem Essen. Warte rund 30 Minuten, sonst kommt die Milch wieder hoch.
  • Nie unbeaufsichtigt, und nicht am Herd oder über heißem Wasser. Ein Baby im Arm plus kochendes Wasser ist keine gute Kombination.
  • Bei Unsicherheit oder Unwohlsein aufhören und Hebamme oder Kinderarzt fragen.

Und der wichtigste Satz dieses Abschnitts: NIE schütteln. Auch nicht, wenn du völlig überfordert bist und alles zu viel wird. Warum das so ernst ist, steht weiter unten ausführlich, aber merk es dir schon jetzt.

Grafische Schrittfolge der Baby-Bauchmassage im Uhrzeigersinn und der Fahrradfahren-Beinübung gegen Blähungen
Bauchmassage im Uhrzeigersinn und die Fahrradfahren-Übung – sanfte Hilfe bei Blähungen.

Bauchmassage Baby + „Fahrradfahren“: Die sanfte Verdauungshilfe

Wenn der Bauch rumort und das Baby unruhig ist, ist eine Bauchmassage Baby eine der sanftesten Sachen, die du machen kannst. Wichtig vorweg: Frag bei Neugeborenen, Frühchen oder kranken Babys zuerst Hebamme oder Kinderarzt. Und nicht massieren bei Fieber, am Impftag, bei Nabel- oder Leistenbruch oder bei einer akuten Infektion. Der Raum und deine Hände sollten warm sein, das Baby liegt auf dem Rücken.

Ablauf der Massage (etwa 5 bis 10 Minuten)

  1. Leg die warmen Hände flach auf den Bauch und lass sie 10 bis 30 Sekunden dort ruhen.
  2. Zieh mit beiden Händen sanft vom Rippenbogen zum Schambein, wie ein Wasserrad. Sechs bis zehn Wiederholungen.
  3. Mach sanfte Kreise im Uhrzeigersinn um den Nabel. Das folgt dem Verlauf des Dickdarms: rechts aufsteigend, quer hinüber, links absteigend. Sechs bis zehn Umläufe.
  4. Optional die I-L-U-Technik: erst ein senkrechter Strich links, dann ein liegendes L, dann ein U.
  5. Zieh beide Beinchen sanft Richtung Bauch und halte die Position 5 bis 10 Sekunden.
  6. Zum Schluss „Fahrradfahren“: Beweg die Beine langsam und rhythmisch abwechselnd, das Knie kommt leicht Richtung Bauch. Sechs bis fünfzehn Mal.

Zum Abschluss streichst du den Bauch aus und wickelst das Baby warm ein oder kuschelst dich mit ihm hin. Achte die ganze Zeit auf die Reaktion. Wird das Baby unruhiger oder weint es mehr, hör auf. Massage ist kein Zwangsprogramm. Nicht direkt nach dem Füttern, sondern mindestens 30 bis 45 Minuten danach. Wärme, etwa ein lauwarmes Kirschkernkissen, kann die Wirkung verstärken, darf aber nie zu heiß sein.

Kümmelöl: nur verdünnt, niemals pur

Kümmelöl wird für die Bauchmassage oft empfohlen, aber es gehört niemals pur auf die Babyhaut. Die übliche Mischung ist ein Tropfen Kümmelöl auf neun bis zehn Tropfen Trägeröl, etwa Mandelöl, Jojobaöl oder Olivenöl. Alternativ nimmst du ein fertiges, speziell für Babys entwickeltes Bäuchleinöl. Wichtig: Das ist keine Markenempfehlung von mir, sondern nur die neutrale Info, worauf du beim Kauf achten kannst. Bei Fragen zur richtigen Anwendung und Dosierung fragst du deine Hebamme oder den Kinderarzt.

Füttern ohne Luft schlucken: Bäuerchen und Co.

Ein großer Teil der Luft im Babybauch kommt beim Trinken rein. Hier kannst du als Papa konkret was tun, egal ob deine Partnerin stillt und du das Fläschchen übernimmst oder ob komplett mit Pre-Nahrung gefüttert wird.

Das Wichtigste ist das Bäuerchen. Nimm das Baby nach dem Füttern, und bei Bedarf auch zwischendurch, aufrecht an die Schulter oder setz es aufrecht auf den Schoß. Stütz den Kopf und klopf oder streich sanft über den Rücken. Manchmal kommt das Bäuerchen sofort, manchmal dauert es. Nicht aufgeben, aber auch nicht stundenlang zwingen. Wenn nach ein paar Minuten nichts kommt, ist das auch okay.

Danach gilt: aufrecht halten. Leg das Baby nicht direkt flach hin, sondern lass es noch 15 bis 20 Minuten aufrecht an deiner Schulter oder im Arm. Das reduziert Spucken und lässt Luft entweichen. Kleinere Mahlzeiten sind ebenfalls ein Hebel: lieber etwas öfter, dafür weniger auf einmal. Und beim Fläschchen ist die Technik entscheidend. Der Sauger sollte zur Größe passen, und du hältst die Flasche so, dass der Sauger immer voll Milch ist und keine Luft angesaugt wird.

Wenn du wissen willst, wie du Pre-Nahrung sauber anrührst und das Fläschchen richtig vorbereitest, haben wir das ausführlich aufgeschrieben. Details dazu findest du in unserem Guide zum Fläschchen zubereiten. Und falls ihr stillt, lies den Artikel Stillen aus Vater-Perspektive, da steht drin, wie du deine Partnerin dabei wirklich unterstützt.

Infografik mit der wichtigsten Warnregel: Babys niemals schütteln – bei Überforderung das Baby sicher ablegen und Hilfe holen
Die wichtigste Regel zuerst: Ein Baby niemals schütteln – auch nicht in völliger Überforderung.

Was NICHT hilft (und was gefährlich ist)

Bevor wir zu den Warnzeichen kommen, räumen wir mit dem auf, was du besser lässt. Manches davon ist nur wirkungslos, anderes ist echt gefährlich.

NIE schütteln

Das ist die wichtigste Regel überhaupt: Babys niemals schütteln. Schon kurzes oder leichtes Schütteln kann ein Schütteltrauma auslösen, also eine schwere Hirnverletzung. Der Grund liegt in der Anatomie: Der Kopf ist im Verhältnis groß und schwer, die Nackenmuskulatur ist schwach. Beim Schütteln schlägt der Kopf ungeschützt hin und her, Blutgefäße und Nervenbahnen können reißen.

Die Folgen können bleibend sein: Entwicklungsstörungen, Seh-, Hör- oder Sprachprobleme, Behinderungen, Krampfanfälle, im schlimmsten Fall der Tod. In Deutschland werden jährlich schätzungsweise 100 bis 200 Klinikfälle angenommen, die Dunkelziffer liegt höher, und etwa 10 bis 30 Prozent der betroffenen Kinder sterben. Besonders gefährdet sind Babys zwischen zwei und fünf Monaten, also genau in der Phase, um die es in diesem Artikel geht. Und fast immer passiert es in Momenten völliger Überforderung. Genau deshalb ist der Abschnitt über Papa-Überforderung weiter unten kein Nice-to-have, sondern der Kern der Sache.

Weitere Dinge, die du lassen solltest

  • Kein Alkohol oder Kräuterzusätze ins Fläschchen. Das gehört nicht in ein Baby.
  • Keine Bauchlage zum Schlafen. Im Schlaf immer auf den Rücken, Bauchlage nur im Wachzustand unter Aufsicht.
  • Keine Selbstmedikation. Medikamente und Kümmelzäpfchen und ähnliche Präparate nur nach Absprache mit dem Kinderarzt. Hier gibt es keine Markenempfehlung von mir, sondern nur den Hinweis, das ärztlich abzuklären.
  • Rauchfrei, und kein heißes Vollbad, keine zu heißen Kirschkernkissen.
  • Trau deinem Bauchgefühl. Wenn du unsicher bist, frag Hebamme oder Kinderarzt. Fragen kostet nichts.

Warnzeichen: Wann du SOFORT zum Arzt musst

Bei den meisten Babys ist das Schreien und der rumorende Bauch harmlos und reifungsbedingt. Es gibt aber klare Zeichen, bei denen du nicht abwartest, sondern sofort ärztliche Hilfe holst. In Österreich ist der Notruf die 144.

Sofort Arzt oder Notaufnahme

  • Schwallartiges, projektiles Erbrechen, besonders wenn es in den ersten Wochen zunimmt.
  • Grünes, galliges oder blutiges Erbrochenes oder kaffeesatzartiger Auswurf, Blut im Stuhl.
  • Harter, aufgeblähter Bauch mit starken Schmerzen und Teilnahmslosigkeit.
  • Fieber beim jungen Säugling oder ein allgemein schlechter Zustand.
  • Atemprobleme, Blauwerden, Atempausen, Würgen oder Verschlucken.
  • Schwer weckbar, apathisch, schlapp.

Austrocknung erkennen

Babys trocknen schnell aus. Achte auf deutlich weniger nasse Windeln als sonst, einen trockenen Mund, eine eingesunkene Fontanelle und ein Baby, das schwer wach zu bekommen ist. Wenn da etwas nicht passt, zöger nicht. Bei Atemproblemen ist richtig Alarm angesagt.

Zur Abgrenzung, damit du weißt, wovon wir reden: Ein physiologischer Reflux, also das häufige harmlose Spucken, ist bei vielen Babys normal. Der untere Schließmuskel der Speiseröhre ist noch unreif, der Höhepunkt liegt um den vierten bis fünften Monat, und bis zum ersten Geburtstag wird es fast immer besser. Harmlos ist es, wenn das Baby zufrieden ist, gut trinkt, altersgerecht zunimmt, also etwa 150 bis 200 Gramm pro Woche, und mindestens fünf bis sechs nasse Windeln pro Tag hat. Zum Arzt solltest du, wenn die Zunahme nicht passt, das Baby sich beim Trinken überstreckt oder weint, das Erbrechen zunimmt oder neu nach dem sechsten Monat auftritt. Eine Kuhmilchproteinallergie ist selten, aber wenn zusätzlich blutiger oder schleimiger Stuhl, Ekzem oder eine Gedeihstörung dazukommen, gehört das ärztlich abgeklärt.

Und ein Satz, den ich ernst meine: Wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, dann geh hin. Der Elterninstinkt ist keine Dummheit.

Überforderung, Schütteltrauma und die ehrliche Papa-Perspektive

Jetzt wird es unangenehm, aber genau deshalb wichtig. Die Schrei-Spirale sieht so aus: Das Baby schreit, nichts hilft, du wirst angespannter, das Baby spürt das und schreit noch mehr. Das ist normal. Es ist keine Charakterschwäche, und es geht fast jedem Vater so. Wer behauptet, ihn habe das nie an die Grenze gebracht, redet entweder nicht ehrlich oder hatte ein sehr entspanntes Baby.

Wenn es zu viel wird, gibt es einen klaren Notfallplan: Leg das Baby sicher ins Gitterbettchen oder auf eine Decke auf den Boden, an einen sicheren Ort. Geh für fünf Minuten aus dem Raum. Atme durch. Hol deine Partnerin, einen Nachbarn oder ruf an. Es ist völlig okay, kurz wegzugehen. Ein schreiendes Baby, das allein in einem sicheren Bett liegt, ist tausendmal besser dran als ein Baby, das in einem Moment der Überforderung geschüttelt wird.

Und dann der Teil, der vielen am schwersten fällt: darüber reden. Mit deiner Partnerin, mit der Hebamme, mit der Schreiambulanz. Allein durchhalten ist der falsche Weg, und es macht die Sache nur schlimmer. Du darfst sagen, dass du nicht mehr weiter weißt. Du darfst um Hilfe bitten. Das ist genau das Gegenteil von Versagen.

Das Thema Selbstschutz hat auch eine praktische Seite. Wenn du wechselweise mit deiner Partnerin Schichten übernimmst, hast du auch Zeit, runterzukommen. Wenn du die Abende allein stemmst und zusätzlich zur Arbeit gehst, brennt irgendwann die Sicherung durch. Schichtwechsel, kurze Spaziergänge, das Baby mal im Tragetuch tragen statt auf dem Arm, all das hilft. Und wenn du das Gefühl hast, in ein Loch zu fallen, dann ist die Schreiambulanz auch für dich da, nicht nur für das Baby. Mehr dazu in unserem Artikel Die ersten 12 Wochen als Papa.

AT-Anlaufstellen: Schreiambulanz, ÖGK und die 1450

In Österreich musst du mit diesem Thema nicht allein dastehen. Es gibt ein Netz von Anlaufstellen, und die meisten sind kostenlos oder werden von der Kasse übernommen.

Schreiambulanzen

Schreiambulanzen gibt es in mehreren Bundesländern. Dort wird das Baby untersucht, organische Ursachen werden ausgeschlossen, und die Eltern bekommen Beratung. Die Termine sind meist nur telefonisch zu bekommen. Eine Auswahl, Stand Gesundheitsportal 02/2026:

  • Wien: Baby Care Ambulanz, Klinik Favoriten, Kundratstraße 3, 1100 Wien, Telefon +43 1 60191-2680. Säuglingspsychosomatik Klinik Ottakring, Montleartstraße 37, 1160 Wien, +43 1 49150-2912, Mo bis Fr 8:30 bis 12:00. Nanaya Eltern-Kind-Zentrum, Zollergasse 37, 1070 Wien, +43 1 523 17 11.
  • Oberösterreich: Salzkammergut Klinikum Vöcklabruck, 05 055471-24850. Kepler Uniklinikum Linz mit der Babycare-Ambulanz.
  • Salzburg: Uniklinik, Müllner Hauptstraße 48, 5020 Salzburg, +43 5 7255-23412, Di und Mi 9 bis 13 Uhr.
  • Tirol: Kinderzentrum Tirol Kliniken, Anichstraße 35, 6020 Innsbruck, 0512 504 23483.
  • Kärnten: LKH Villach, Nikolaigasse 43, 9500 Villach, 04242 208 62758. Klinikum Klagenfurt, Feschnigstraße 11, 9020 Klagenfurt, 0463 538-0.

1450, ÖGK und mehr

Die telefonische Gesundheitsberatung 1450 ist rund um die Uhr erreichbar, österreichweit und kostenlos. Sie berät auch bei weinenden Babys und leitet dich weiter. Die ÖGK übernimmt in der Regel die Leistungen der öffentlichen Schreiambulanzen. Bei einem akuten Notfall wählst du die 144. Darüber hinaus gibt es die Frühen Hilfen unter fruehehilfen.at, deinen Kinderarzt, deine Hebamme und die Eltern-Kind-Zentren in fast jeder größeren Stadt.

Für Umgang mit dem Baby im Alltag, etwa Wickeln und Baden, haben wir ebenfalls einen ausführlichen Guide: Baby wickeln und baden. Und wenn dich das Erkennen von echten Krankheitssignalen umtreibt, ist der Kinderkrankheiten-Guide für Österreich die richtige Anlaufstelle.

Fazit: Es ist eine Phase, und sie geht vorbei

Blähungen und das abendliche Schreien sind in den allermeisten Fällen reifungsbedingt und hören bis etwa zum dritten oder vierten Lebensmonat auf. Was nachweislich hilft: Bäuerchen machen, der Fliegergriff, die Bauchmassage im Uhrzeigersinn, Fahrradfahren mit den Beinchen, eine aufrechte Haltung nach dem Füttern und ganz viel Nähe. Was du nie tust: schütteln. Ohne Ausnahme.

Bei Unsicherheit und bei den genannten Warnzeichen gilt: 1450 anrufen, zum Kinderarzt gehen oder die Schreiambulanz kontaktieren. Und für die harten Abende merk dir den Notfallplan: Baby sicher ablegen, kurz rausgehen, durchatmen, Hilfe holen.

Du machst das besser, als du denkst. Die meisten Papas fühlen sich in dieser Phase hilflos, und genau das ist der Normalzustand. Wenn du weißt, was du tun kannst, und weißt, wann du Hilfe holen musst, dann hast du schon mehr im Griff als die Hälfte des Problems. Speicher dir diesen Guide ab und schick ihn dem Papa, der heute Abend wieder dran ist.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Wessel MA et al., Paroxysmal fussing in infancy, sometimes called „colic“ (1954), Pediatrics.
  • Rome IV-Kriterien für funktionelle gastrointestinale Störungen bei Säuglingen und Kleinkindern (2016).
  • AWMF-S2k-Leitlinie 028-041 „Psychische Störungen im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter“, Version 2.1 (2024/2025), federführend DGKJP.
  • BZgA, kindergesundheit-info.de, Schütteltrauma (2026).
  • Gesundheit.gv.at, Schreiambulanz, Stand 02/2026.
  • Frühe Hilfen Österreich, fruehehilfen.at, „Wenn Babys weinen“ (2026).