Der Koffer ist fast gepackt. Badehose, Windeln, Schnuller. Alles da. Aber dann kommt der Moment, in dem du dich fragst: Was mach ich eigentlich, wenn das Baby unterwegs Fieber bekommt? Oder Durchfall? Oder ihm im Auto übel wird?
Normale Reiseapotheken für Erwachsene helfen da null. Babys und Kleinkinder haben weniger Reserven, ihr Flüssigkeitshaushalt kippt schneller. Durchfall kann bei unter 2-Jährigen in wenigen Stunden zur Austrocknung führen [Quelle: AOK, 2023]. Und Medikamente für Erwachsene sind oft viel zu hoch dosiert oder enthalten Wirkstoffe, die für Kinder schlicht nicht geeignet sind [Quelle: DAK, 2025].
Deshalb: eine eigene Reiseapotheke fürs Kind. Kein „das wird schon irgendwie“. Sondern eine richtige, durchdachte, für Österreich 2026. Was rein muss, worauf du bei der Dosierung achten solltest und was du auf gar keinen Fall vergessen darfst. Los geht’s.
Warum eine spezielle Reiseapotheke für Babys?
Klingt logisch, wird aber oft ignoriert. Viele Eltern greifen im Urlaub auf „das Übliche“ zurück, das daheim im Medizinschrank liegt. Problem: Der Körper eines Babys oder Kleinkinds reagiert ganz anders als der eines Erwachsenen.
Drei Fakten, die jeder kennen sollte:
- Babys haben einen deutlich höheren Flüssigkeitsumsatz pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Durchfall oder Erbrechen kann der Körper innerhalb von Stunden austrocknen [Quelle: AOK, 2023]. Das passiert dir als Erwachsenem nicht so schnell. Besonders kritisch ist es bei Säuglingen unter 7 Monaten oder unter 8 kg [Quelle: AOK, 2023].
- Viele gängige Medikamente sind für Kinder nicht zugelassen. Erwachsenen-Ibuprofen 400 mg? Viel zu stark. Dimenhydrinat (Vomex) bei Reiseübelkeit? Für unter 3-Jährige strikt tabu, schwere Nebenwirkungen möglich [Quelle: ADAC, 2025].
- Arzneimittelfälschungen sind in manchen Ländern ein echtes Problem. Medikamente, die du in Österreich in der Apotheke kaufst, unterliegen strengen Kontrollen. Im Ausland gekaufte Mittel können gestreckt, falsch dosiert oder komplett wirkungslos sein [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023].
Die Österreichische Apothekerkammer rät außerdem: Such dir noch vor der Abreise raus, wo die nächste Apotheke und der nächste Arzt am Urlaubsort sind [Quelle: Apothekerkammer, 2025]. Klingt übertrieben, ist aber Gold wert, wenn es um 23 Uhr brennt. Gerade in ländlicheren Regionen Österreichs wie dem Salzkammergut oder dem Mühlviertel können Apotheken abends geschlossen sein, und der nächste Bereitschaftsdienst ist 30 km entfernt. Vorher googeln spart dir in der Not wertvolle Zeit.
Zu den grundlegenden Dokumenten gehören die e-Card, der Impfpass und der Allergiepass des Kindes. Und vergiss nicht, die Auslandskrankenversicherung zu checken. Die e-Card gilt zwar in ganz Österreich und im EU-Ausland mit der EHIC, aber für Nicht-EU-Länder brauchst du eine separate Auslandsreise-Krankenversicherung. Die kostet meist nicht mehr als 20 Euro pro Jahr und deckt auch Rücktransporte ab [Quelle: DAK, 2025].
Basisausstattung: Das gehört in jede Reiseapotheke
Hier kommt die Checkliste, die du ausdrucken und direkt in die Apotheke mitnehmen kannst. Aufgeteilt in Kategorien, damit nichts fehlt. Vor dem Packen empfiehlt es sich, alle Medikamente auf Haltbarkeit zu prüfen. Abgelaufene Mittel gehören nicht in die Reiseapotheke, sondern ins Altmedikamenten-Sammelbehältnis der Apotheke.
Fieber und Schmerzen
- Paracetamol-Zäpfchen (z. B. 75 mg für Babys ab 3 kg) oder Ibuprofen-Saft (ab 3 Monaten). Beides gehört zu den Mitteln der Wahl bei Kindern [Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 2024].
- Achtung bei Hitze: Zäpfchen schmelzen im Koffer, wenn es über 30 °C wird. Lieber kühl lagern, im Kühlschrank am Urlaubsort oder in der Kühltasche [Quelle: DAK, 2025]. Am besten packst du sie ins Handgepäck, wo die Klimaanlage im Flieger sie kühl hält. Im Auto solltest du Zäpfchen nicht im heißen Kofferraum liegen lassen [Quelle: DAK, 2025].
- Fieberthermometer digital: ein schnelles, digitales Thermometer gehört in jedes Reisegepäck. Ohrmessgeräte sind praktisch, aber bei Babys unter 6 Monaten oft ungenau. Im Zweifel lieber ein normales Digitalthermometer für die rektale Messung einpacken.
Durchfall und Erbrechen
- Elektrolyt-Glukose-Lösung (ORL) in Pulverform. In Österreich gibt es bewährte Produkte wie ORALPÄDON oder Elotrans. Einfach das Pulver in abgekochtem, abgekühltem Wasser auflösen und dem Kind in kleinen Schlucken anbieten. Die Lösung gleicht den Flüssigkeitsverlust aus und liefert Zucker, der die Aufnahme der Elektrolyte im Darm verbessert [Quelle: AOK, 2023].
- Wichtig: Keine Stopfmittel wie Loperamid bei Kindern! Die können gefährlich sein. Der Körper muss die Keime loswerden, Stopfmittel unterdrücken diesen Mechanismus [Quelle: AOK, 2023].
- Cola und Salzstangen? Sind als „Durchfall-Diät“ nicht sinnvoll. Sie bringen nicht die richtige Elektrolyt-Zusammensetzung. Cola enthält außerdem zu viel Zucker, was den Durchfall sogar verstärken kann [Quelle: AOK, 2023].
- Stillen oder Flasche ganz normal weitergeben. Verdünnte Nahrung ist nicht nötig [Quelle: AOK, 2023]. Bei älteren Kindern helfen stärkehaltige Lebensmittel wie Nudeln, Kartoffeln und Zwieback.
Wundversorgung
- Wunddesinfektion ohne Brennen: Octenisept ist hervorragend für Kinder.
- Sterile Kompressen und Pflaster, auch Blasenpflaster (wichtig bei neuen Wander- oder Sandalen).
- Pinzette und Zeckenzange: absolute Pflicht in Österreich. Vor allem in der Steiermark und Kärnten gibt es viele Zecken, und eine Zeckenzange gehört zu den wichtigsten Utensilien in der Reiseapotheke [Quelle: DAK, 2025].
- Einmalhandschuhe zur Eigenschutz bei der Wundversorgung.
- Schere nur in den Koffer, nicht ins Handgepäck [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023; Apothekerkammer, 2025].
Erkältung
- Abschwellendes Nasenspray: besonders praktisch für den Druckausgleich beim Fliegen. Du liest mehr dazu im Fliegen mit Kindern Guide. [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023].
- Kindgerechter Hustensaft und ein geeigneter Hustenstiller. Nicht alle sind für Kleinkinder geeignet, lass dich in der Apotheke beraten [Quelle: DAK, 2025].
Sonne und Insekten
- Sonnencreme LSF 50+ (wasserfest für Badeseen). Die Haut von Babys ist dünn und kann nicht ausreichend bräunen. Ein Sonnenbrand ist sofort ärztlich abzuklären [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023].
- After-Sun-Lotion: kühlt und beruhigt die Haut nach dem Sonnenbad.
- Insektenschutz für Kinder, ohne DEET bei Babys unter 2 Monaten. Bei älteren Kindern reichen Produkte mit 10 bis 20 Prozent Icaridin. Gegen Mücken in der Nähe von österreichischen Badeseen ist das oft die einzige wirksame Maßnahme.
- Kühlgel bei Insektenstichen. Ein Stich kann bei kleinen Kindern stark anschwellen, kühlen hilft.
Sonstiges
- Fieberthermometer digital. Schneller, genauer und sicherer als Quecksilberthermometer.
- Augentropfen konservierungsmittelfrei: bei Sand, Chlorwasser oder trockener Luft. Besonders im Flugzeug und am Meer empfehlenswert [Quelle: DAK, 2025].
- Antiallergika in Tropfenform oder als Saft auf ärztliche Empfehlung. Auch Sonnenallergie kann bei Kindern auftreten.
Reiseübelkeit: Was hilft bei Babys und Kleinkindern?
„Mama, mir ist schlecht!“ Dieser Satz ist der Albtraum jedes Vaters auf der Rückbank. Reiseübelkeit, medizinisch Kinetose genannt, betrifft Kinder zwischen 2 und 12 Jahren am stärksten. Babys? Sind meistens verschont, weil ihr Gleichgewichtssystem noch nicht voll ausgereift ist [Quelle: ADAC, 2025; Pharmazeutische Zeitung, 2024].

Die Reiseübelkeit entsteht, weil das Gleichgewichtsorgan im Innenohr Bewegungen wahrnimmt, die Augen aber ein unbewegtes Bild sehen. Das Gehirn bekommt widersprüchliche Signale und reagiert mit Übelkeit, Schwindel, Blässe und Erbrechen [Quelle: ADAC, 2025]. Kinder sind davon besonders betroffen, weil ihr Gehirn noch nicht gelernt hat, diese widersprüchlichen Informationen richtig zu verarbeiten.
Trotzdem machen die meisten Eltern genau hier den größten Fehler: Sie greifen zu Reisetabletten. Und das kann übel enden.
Medikamente: Fast immer die falsche Wahl
Dimenhydrinat (Vomex, Vomacur) und Diphenhydramin (Emesan) sind die gängigsten Wirkstoffe gegen Reiseübelkeit. Dazu:
- Nicht unter 3 Jahren! Es gab dokumentierte Fälle von schweren Nebenwirkungen bis zu Todesfällen bei Überdosierung [Quelle: ADAC, 2025].
- Stiftung Warentest: Kein Wirkstoff wird für unter 10-Jährige uneingeschränkt empfohlen. Diphenhydramin und Scopolamin (verschreibungspflichtig) sind für Erwachsene geeignet, Kinder sind eine Grauzone. Ingwer-Präparate wie Zintona können eine Alternative sein, sind aber für Kleinkinder ebenfalls nicht gezielt getestet [Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 2024].
- Die Einnahme führt bei Erwachsenen oft zu Müdigkeit. Bei Kindern kann die beruhigende Wirkung zwar erwünscht sein, die Nebenwirkungen überwiegen aber meist [Quelle: ADAC, 2025].
Also im Zweifel: Finger weg von Reisetabletten für Kleinkinder, solange nicht explizit vom Arzt verschrieben.
Was wirklich hilft ohne Medikamente
- Platzwahl: Auf der Rückbank in der Mitte sitzen, mit freier Sicht nach vorn. Den Blick auf den Horizont richten. Bei Babys hilft eine Babyschale, die den Kopf gut stützt. Die Mitte der Rückbank ist optimal, weil das Kind dort am wenigsten Seitenneigung mitbekommt [Quelle: ADAC, 2025].
- Nackenhörnchen: Stabilisiert den Kopf und reduziert das Schwanken bei Kurvenfahrten und unebenen Straßen.
- Hörspiele statt Tablet oder Handy! Der Blick auf ein unbewegtes Display in der Hand verstärkt die Übelkeit massiv [Quelle: ADAC, 2025]. Singen, Hörspiele und Spiele wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“ sind die bessere Wahl.
- Leichter Snack vor der Fahrt: Obst, Brot, Müsli. Kein Fast Food, keine Süßigkeiten. Als Getränk stilles Wasser oder Fencheltee anbieten. Vermeide kohlensäurehaltige Getränke [Quelle: ADAC, 2025].
- Im Flugzeug: Auf Höhe der Tragflächen sitzen, da sind die Bewegungen am geringsten. Auf dem Schiff: Mittschiffs, wo es am ruhigsten ist. Auf dem Boot also nicht nach ganz vorn oder ganz hinten setzen [Quelle: ADAC, 2025].
Und ja: Spucktüten mit Auslaufschutz und Wechselkleidung einpacken. Trau dich. Lieber vorbereitet sein als im Zweifel mit Erbrochenem auf dem Autositz dazustehen.
Handgepäck vs. Koffer: Was gehört wohin?
Du fliegst? Dann ist die Aufteilung entscheidend. Nichts ist blöder, als wenn der Koffer verloren geht und das Fiebermittel drin steckt. Bei Flugreisen solltest du die Reiseapotheke strategisch aufteilen, damit du im Notfall immer Zugriff auf die wichtigsten Medikamente hast.
Immer ins Handgepäck
- Dauermedikation: Asthma-Spray, Allergiemedikamente etc.
- Fiebermittel: Paracetamol-Zäpfchen oder Ibuprofen-Saft.
- Notfallmedikamente: alles, was bei einem akuten Schub gebraucht wird.
- Fläschchen, Schnuller, ein Set Wechselkleidung für Baby und Eltern.
- Reiseübelkeit-Mittel, falls vom Arzt verschrieben oder für ältere Geschwisterkinder.
Die 100-ml-Regel: Für Medikamente und Babynahrung irrelevant
Viele Eltern stressen wegen der EU-Flüssigkeitsregel. Die gute Nachricht: Medikamente und Babynahrung sind von der 100-ml-Begrenzung ausgenommen [Quelle: EU, 2025]. Du darfst größere Mengen mitnehmen. Du musst sie aber separat vorzeigen.
Wichtig: Medikamente immer in der Originalverpackung mit Beipackzettel transportieren. Für verschreibungspflichtige Medikamente ein ärztliches Attest auf Englisch mitnehmen. Das Attest sollte den Handelsnamen und den Wirkstoff des Medikaments enthalten [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023].
In den Koffer
- Schere, Verbandsmaterial in größeren Mengen.
- Sonnencreme und After-Sun in großen Flaschen.
- Pflaster, Kompressen, Pinzette. Die Schere gehört unbedingt in den Koffer, die Security freut sich sonst nicht [Quelle: Apothekerkammer, 2025].
Extra-Tipp: Pack eine separate Ausflugsversion der wichtigsten Dinge in einer kleinen Kosmetiktasche. Fiebermittel, Pflaster, Sonnencreme, Zeckenzange. Das brauchst du für Tagestouren, ohne den ganzen Koffer zu wälzen [Quelle: DAK, 2025]. Diese kleine Tasche sollte immer im Rucksack oder der Wickeltasche stecken, wenn ihr das Hotel oder die Ferienwohnung verlasst.
Extra-Tipps für Österreich nach Reiseziel
Auch innerhalb Österreichs können die Anforderungen an die Reiseapotheke je nach Urlaubsregion unterschiedlich sein. Kein Grund zum Stress, aber ein paar Punkte solltest du kennen. Für einen kompletten Überblick über Hitze, Sonnenschutz und passende Nahrung für die Kleinen, schau in den Sommer mit Baby und Kleinkind: Der komplette Österreich-Guide.
Inlandsurlaub allgemein
- e-Card nicht vergessen! Damit bist du in jeder österreichischen Ordination versorgt und die Abrechnung läuft direkt über die Krankenkasse.
- Apotheken-Notdienst: 1450. Das ist die Nummer für gesundheitliche Fragen, rund um die Uhr. Heb dir die Nummer im Handy auf.
- Apotheken am Urlaubsort vorher googeln. Die Österreichische Apothekerkammer empfiehlt, vor der Abreise zu checken, ob eine Apotheke oder ein Spital in der Nähe ist [Quelle: Apothekerkammer, 2025]. Das ist besonders wichtig, wenn du in eine sehr ländliche Gegend fährst, wo die nächste Apotheke vielleicht 20 Kilometer entfernt ist.
Bergurlaub (Tirol, Salzburg, Kärnten)
- UV-Strahlung steigt mit der Höhe. Pro 1000 Höhenmeter nimmt die UV-Belastung um etwa 10 bis 12 Prozent zu. Auch bei Bewölkung [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023]. Ein Spaziergang auf 2000 Metern Höhe setzt die Babyhaut also einer massiv höheren UV-Dosis aus als ein Tag im Tal.
- Sonnencreme ist hier nicht optional. Auch nicht im Schatten. Die Reflexion durch Schneefelder im Hochgebirge kann die Belastung zusätzlich erhöhen.
- Kühle Nächte: Zäpfchen können im Koffer bleiben, sie schmelzen hier nicht.
Badeseen (Neusiedler See, Wörthersee, Attersee)
- Wasserfester Sonnenschutz LSF 50+: Auch im Wasser wirkt die UV-Strahlung. Wasser reflektiert zusätzlich, sodass du auch unter einem Sonnenschirm nicht sicher bist.
- Zecken! Besonders in der Steiermark, Kärnten und rund um den Neusiedler See. Die Zeckenzange gehört in die Tasche. FSME-Impfung vor der Saison checken [Quelle: DAK, 2025; gesundheit.gv.at, 2023]. Nach jedem Aufenthalt im Freien solltest du das Kind nach Zecken absuchen. Das gilt besonders für grasbewachsene Uferbereiche.
Fernreisen aus Österreich
- Keine ASS-haltigen Schmerzmittel bei Tropenreisen. Acetylsalicylsäure kann bei Dengue-Fieber gefährliche Gerinnungsprobleme auslösen [Quelle: Apothekerkammer, 2025]. Setze stattdessen auf Paracetamol oder Ibuprofen.
- Impfstatus 4 bis 6 Wochen vor der Reise checken. Das geht kostenlos in jeder Apotheke. Der kostenlose Impfpass-Check in der Apotheke ist eine einfache Möglichkeit, nichts zu übersehen [Quelle: Apothekerkammer, 2025]. Für Fernreisen können spezifische Impfungen wie Hepatitis A, Typhus oder Gelbfieber notwendig sein.
Medikamente richtig dosieren: nach Gewicht, nicht nach Alter!
Das ist der Punkt, den selbst erfahrene Eltern regelmäßig falsch machen. Die Dosierung gehört am Körpergewicht festgemacht, nicht am Alter [Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 2024]. Ein schweres Baby mit 9 kg braucht eine andere Dosis als ein leichtes mit 6 kg, auch wenn beide 6 Monate alt sind.
Die Pharmazeutische Zeitung betont: Die Dosierung nach Alter führt regelmäßig zu Über- oder Unterdosierung [Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 2024]. Ein kräftiger 8 Monate alter Säugling wiegt vielleicht 10 Kilogramm, ein zarter 10 Monate alter vielleicht nur 7 kg. Beide pauschal über die Altersangabe auf der Packung zu dosieren, kann zu einer massiven Über- oder Unterdosierung führen.
| Wirkstoff | Einzeldosis pro kg | Maximal pro Tag | Abstand | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Paracetamol | 10 bis 15 mg/kg | 50 bis 60 mg/kg | 6 h (Zäpfchen 75 mg: 8 bis 12 h) | Ab 3 kg Körpergewicht |
| Ibuprofen | 7 bis 10 mg/kg | 20 bis 30 mg/kg | 6 bis 8 h | Ab 3 Monaten |
Ein Beispiel: Dein Baby wiegt 8 kg. Eine Einzeldosis Paracetamol sind dann 8 x 10 bis 15 = 80 bis 120 mg. Paracetamol-Zäpfchen gibt es mit 75 mg für leichtere Babys und 125 mg für schwerere. Für ein 8-kg-Baby wäre das 125-mg-Zäpfchen richtig, das 75-mg-Zäpfchen würde unterdosieren.
Klingt kompliziert? Dann schreib dir vor der Reise die Dosis für dein Kind für jedes Medikament auf einen Zettel und kleb ihn in die Reiseapotheke. Oder frag in der Apotheke nach einer Dosierungstabelle [Quelle: DAK, 2025].
Wichtig: Nicht jedes Fieber muss gesenkt werden. Besteht kein ausgeprägtes Krankheitsgefühl, kann zugewartet werden. Achte aber auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr, da fiebernde Kinder mehr Flüssigkeit verlieren [Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 2024].
Häufige Fehler bei der Baby-Reiseapotheke
Aus Fehlern lernt man. Bei Medikamenten lieber aus den Fehlern anderer. Hier die 9 häufigsten Fallen:
- Erwachsenen-Medikamente für Kinder: zu hoch dosiert, falsche Wirkstoffe. Nie einfach einem Kind ein Erwachsenen-Medikament in kleinerer Menge geben.
- Dosierung nur nach Alter statt Gewicht: führt regelmäßig zu Über- oder Unterdosierung. Das Gewicht ist der entscheidende Faktor [Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 2024].
- Zäpfchen ungekühlt im Koffer: bei Hitze über 30 Grad schmelzen Zäpfchen und werden unbrauchbar. Kühl lagern [Quelle: DAK, 2025].
- Tablet oder Handy als Ablenkung bei Reiseübelkeit: der Blick auf ein unbewegtes Display macht die Übelkeit schlimmer [Quelle: ADAC, 2025].
- Reiseübelkeit-Mittel an Babys unter 3 Jahren: gefährliche Nebenwirkungen möglich bis zu Krampfanfällen [Quelle: ADAC, 2025].
- Medikamente erst im Urlaubsland kaufen: Fälschungsrisiko, unbekannte Wirkstoffkonzentrationen, andere Zulassungsstandards [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023].
- Reiseapotheke im Auto liegen lassen: Hitze killt die Wirkstoffe. Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023].
- Keine Auslandskrankenversicherung: bei Reisen außerhalb Österreichs ein absolutes Muss. Auch innerhalb Europas kann die e-Card nicht alle Kosten decken [Quelle: DAK, 2025].
- Sonnenschutz unterschätzt: „Ist ja nicht so heiß heute.“ Die UV-Strahlung ist unabhängig von der gefühlten Temperatur [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023].
FAQ: Kurz und Knapp
Welche Medikamente sind am wichtigsten?
Paracetamol oder Ibuprofen gegen Fieber und Schmerzen, Elektrolyt-Glukose-Lösung gegen Durchfall, Wunddesinfektion. Das deckt 90 Prozent der Fälle ab.
Was tun bei Fieber im Urlaub?
Messen, nach Gewicht dosieren, viel trinken lassen. Ab 39 Grad Körpertemperatur (bei Babys ab 38 Grad) und bei Säuglingen unter 7 Monaten oder unter 8 kg zum Arzt gehen [Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 2024; AOK, 2023]. Auch bei anhaltendem Fieber über drei Tage ist ein Arztbesuch notwendig.
Welcher Sitzplatz bei Reiseübelkeit?
Rückbank Mitte, freie Sicht nach vorn, den Horizont beobachten. Bei Babys die Babyschale mit guter Kopfstütze verwenden [Quelle: ADAC, 2025].
Brauchen Babys Reiseübelkeit-Medikamente?
Nein. Babys sind selten von Reiseübelkeit betroffen. Die Mittel sind für unter 3-Jährige nicht empfohlen [Quelle: ADAC, 2025].
Dürfen Medikamente ins Handgepäck?
Ja. Auch über 100 ml. Die EU-Flüssigkeitsregel gilt nicht für Medikamente und Babynahrung, aber bitte separat an der Security vorzeigen [Quelle: EU, 2025].
Sonnenbrand beim Baby: was tun?
Sofort zum Arzt! Die Haut von Babys ist extrem empfindlich, ein Sonnenbrand kann schwere Folgen haben und sollte immer medizinisch abgeklärt werden [Quelle: gesundheit.gv.at, 2023].
Ab wann mit Durchfall zum Arzt?
Bei Babys unter 7 Monaten oder unter 8 kg, bei Anzeichen von Austrocknung (trockener Mund, geringe Urinausscheidung) und bei blutigem Durchfall [Quelle: AOK, 2023].
Sicher verreisen mit der richtigen Vorbereitung
Eine gute Reiseapotheke gibt dir das Gefühl: Egal was kommt, ich habe es im Griff. Kein hektisches Suchen nach einer offenen Apotheke um 22 Uhr. Kein Abwägen, ob du dem Kind ein Erwachsenen-Medikament geben sollst oder nicht. Du hast alles dabei, dosiert für dein Kind, und weißt, was zu tun ist.
Und falls doch mal was Größeres passiert: Der Erste Hilfe am Kind: Der Notfall-Guide für Väter und Mütter hilft dir weiter. Der Guide deckt alle wichtigen Notfälle ab, von Stürzen und Schnittwunden bis zu Vergiftungen und Fieberkrämpfen.
Wenn du mit dem Baby campen gehst, dann schau auch in den Camping mit Kindern Österreich Guide. Da gibt es noch mehr Tipps für unterwegs, speziell was die medizinische Grundversorgung auf Campingplätzen angeht.
Pack die Reiseapotheke, check die Dosierung und dann: Ab in den Urlaub. Der Sommer wartet. Dein Baby wird es dir danken, wenn die Reise entspannt bleibt, weil du auf alles vorbereitet bist.
Quellen
- gesundheit.gv.at: Reiseapotheke (Stand November 2023)
- Österreichische Apothekerkammer: Reiseapotheke (2025)
- Pharmazeutische Zeitung: Zwei Wirkstoffe bei Reiseübelkeit geeignet (2024)
- Pharmazeutische Zeitung: Fieber bei Kindern, Dosierung nach Gewicht (2024)
- ADAC: Reiseübelkeit bei Kindern, was hilft? (2025)
- AOK: Durchfall bei Babys und Kleinkindern, was hilft? (April 2023)
- DAK: Reiseapotheke für Kinder, Checkliste (2025)
- EU: Gepäckbeschränkungen (2025)
- gesundheit.gv.at: Sonnenschutz für Kinder (Mai 2023)